Ich lebe in Deutschland, seit ich ein Säugling war, inzwischen über 32 Jahre. Schon als Kind haben Behörden mich spüren lassen, dass ich nicht dazugehören soll. Seit ich volljährig bin, droht mir die Abschiebung. Im Juli 2024 gab es sogar einen Abschiebeversuch nach Serbien, in ein Land, in dem ich nie war und dessen Sprache ich nicht spreche. Die Abschiebung ist bis heute nicht vom Tisch.
Ich bin hier aufgewachsen, hier ist meine Heimat. Trotzdem verwehrt mir die Chemnitzer Ausländerbehörde fast alles, was für andere selbstverständlich ist. Ich darf nicht reisen und nicht arbeiten. Ich darf nur ein Basiskonto haben. Mein Alltag besteht aus Verboten und aus der Angst, jederzeit abgeschoben zu werden. Ein selbstbestimmtes Leben ist so kaum möglich.
Aber jetzt wehre ich mich: Ich habe eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingelegt. Dafür brauche ich Deine Unterstützung.
Ich will arbeiten, aber ich darf nicht.
Ich habe einen Realschulabschluss. Die meisten Ausbildungen sind aber betrieblich, und dafür bräuchte ich eine Arbeitserlaubnis. Die wurde mir nie erteilt, sie wurde immer nur abgelehnt. Nur wenige Berufe werden schulisch ausgebildet. Deshalb habe ich eine schulische Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister gemacht, für die man keine Arbeitserlaubnis braucht.
Selbst das war eine Hürde: Meine Duldung war nur sechs Monate gültig, und die Schule hatte deshalb Bedenken, mich aufzunehmen. Ich konnte sie überzeugen. Doch mitten in der Prüfungszeit lief meine Duldung ab, und die Ausländerbehörde wollte sie nicht verlängern. Als ich um eine länger gültige Bescheinigung bat, hieß es, das sei mein Problem. Ohne dieses Papier durfte ich nicht an den Prüfungen teilnehmen. Deshalb musste ich ein ganzes Jahr wiederholen, nicht weil mir Wissen fehlte, sondern wegen eines fehlenden Papiers. Das hat mich tief getroffen und prägt mich bis heute.
Drei Jahre später habe ich mein Staatsexamen bestanden. Ich hatte sogar eine Stelle in Düsseldorf, die mich gern genommen hätte. Trotzdem habe ich am Ende keine Arbeitserlaubnis bekommen. Auch weitere Arbeitsangebote scheiterten daran.
Auch sonst ist alles ein Kampf.
Meine Duldung wird nicht als Ausweis akzeptiert. Mit meinem Basiskonto gehen manche Überweisungen einfach nicht, zum Beispiel wenn ich eine Rechnung bezahlen oder etwas bestellen will. Dann bin ich jedes Mal auf die Hilfe anderer angewiesen. Selbst an ein Deutschland-Ticket zu kommen, wird mir schwer gemacht. Was für andere einfacher Alltag ist, ist für mich ein Berg voller Hürden.
Seit dem Abschiebeversuch zahlt mir das Sozialamt meine Leistungen immer wieder viel zu spät aus. In den letzten zwei Jahren kam das Geld nur selten pünktlich. Ich muss jedes Mal nachfragen, und oft dauert es Wochen, bis es ankommt. Eine Erklärung dafür bekomme ich nicht. Dadurch ist über die Zeit ein riesiger Berg an Schulden entstanden, den ich nicht mehr stemmen kann. Außerdem muss ich seit Jahren viel Geld für Rechtsberatung aufbringen.
Jetzt wehre ich mich.
Ich habe eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingelegt. Dabei kämpfe ich nicht nur für mich. Wenn sie Erfolg hat, ändert sich die Lage für viele Menschen, die mit einer Duldung und einem Arbeitsverbot leben. Wir können endlich für uns selbst sorgen und ein Leben in Würde führen.
Dafür kämpfe ich: für die Grundrechte von Menschen, die in Dauerduldung unfrei und in Angst leben müssen. Diese Ungerechtigkeit will ich nicht länger hinnehmen.
Das schaffe ich aber nicht alleine. Um das Verfahren bis zum Schluss führen zu können, brauche ich deine Unterstützung mit einer Spende.
Wofür ich deine Unterstützung brauche:
Das meiste Geld fließt in Anwalts- und Verfahrenskosten, damit ich mich weiter rechtlich wehren kann. Ein Teil hilft mir außerdem, die Schulden abzutragen, die durch die verspäteten Sozialleistungen entstanden sind, und meinen Lebensunterhalt zu sichern. Ohne euch kann ich diesen Weg nicht zu Ende gehen.
Jede Spende hilft, und auch das Teilen dieses Aufrufs bedeutet mir sehr viel.
Danke, dass ihr mir zuhört. ❤️
Robert