Ein junger Mann verliert seinen Bruder und entdeckt in dessen Tagebuch, wie aus Einsamkeit schleichend Extremismus wurde. "Totenbuch" ist ein 15-minütiger Kurzfilm von Lennart Glossner, Nathalie Linke und Mikusch Witulla.
Unser Kurzfilm begleitet den Prozess der rechtsextremistischen Radikalisierung eines Jugendlichen sowie die dramatischen Auswirkungen auf das familiäre Umfeld, welches dieser Entwicklung machtlos gegenübersteht. Die Geschichte handelt von zwei Brüdern, die sich in Jugendjahren zerstreiten und anschließend zwei gänzlich unterschiedliche Wege einschlagen: Während Ben studieren geht und sich in einem politisch linken Milieu anschließt, driftet sein jüngerer Bruder Ric in rechtsextremistische Kreise ab. Eines Tages bekommt Ben den Anruf, dass sein kleiner Bruder sich umgebracht hat. Der Film beginnt etwa einen Monat nach dem Tod von Ric und zeichnet die Trauerverarbeitung von Ben und führt mit Hilfe eines gefundenen Tagebuchs durch die Geschichte von Ric.
Aktueller gesellschaftlicher Bezug
Soziologische und psychologische Studien zur Radikalisierungsforschung zeigen, dass der Einstieg in rechtsextreme Kreise selten ideologisch beginnt, sondern emotional und als Flucht vor Isolation und Perspektivlosigkeit. Im Vorfeld der Produktion haben wir uns intensiv mit den aktuellen Mechanismen der „Turbo-Radikalisierung" im Netz und dem Wandel der rechtsextremen Jugendkultur auseinandergesetzt. Studien der bpb und der jüngste Jugend-Survey zeigen eine alarmierende Realität: Bereits über 57 % der Jugendlichen kommen im digitalen Alltag mit rechtsextremen Inhalten in Kontakt; bei den 18- bis 34-Jährigen lässt sich mittlerweile bei 12 % ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild nachweisen. Die Szene fungiert dabei als manipulative „Ersatzfamilie", die Halt und Selbstwirksamkeit verspricht. Unser Projekt macht genau diese Grauzone spürbar: Wie aus dem schmerzhaften Gefühl der Heimatlosigkeit eines Jugendlichen die schleichende Akzeptanz einer menschenfeindlichen Ideologie wird, während die Herkunftsfamilie den Kontakt verliert und die Folgen unmittelbar zu spüren bekommt.
Becker, Reiner (2018): Ein- und Ausstiegsprozesse im Rechtsextremismus, in: Dossier Rechtsextremismus der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/ , abgerufen am 10.07.2026.
MPFS – Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2023): JIM-Studie 2023: Jugend, Information, Multimedia. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland, Stuttgart, https://www.mpfs.de/studien/jim-studie/2023/ , abgerufen am 10.07.2026.
Neumann, Peter R. (2022): Die neuen Terroristen: Wie die digitale Revolution den Extremismus verändert und was wir dagegen tun müssen, Hamburg: Rowohlt Buchverlag.
Zick, A.; Küpper, B.; Mokros, N. (2023): Die geforderte Mitte: Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2022/23, hrsg. v. d. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn: J.H.W. Dietz Nachf., https://www.fes.de/mitte-studie-2023, abgerufen am 10.07.2026.
Infos zur Produktion
Die Drehorte unseres Kurzfilms erstrecken sich über ganz Darmstadt auf Straßen im Martinsviertel, Schulpausenhöfe, Kiosks, Bushaltestellen und auf ein Filmstudio in Dieburg. Mit dem Geld möchten wir die Kosten für folgende Posten decken:
Das Team
Wir sind Lennart Glossner (Regie), Jördis Herrmann (Regieassistenz), Nathalie Linke (Kamera) und Mikusch Witulla (Produktion). Wir haben gemeinsam an der Hochschule Darmstadt den Filmstudiengang „Motion Pictures“ studiert und möchten uns mit diesem Film mit der ansteigenden Zahl an rechtsextremistischen Vorfällen in Deutschland auseinandersetzen.
Wir freuen uns sehr über jegliche finanzielle Unterstützung, sie ist ein wichtiger Beitrag zur Realisierung unseres Kurzfilms. Jeder einzelne Beitrag fließt direkt in die Umsetzung und hilft uns, dieses Herzensprojekt zu realisieren.