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Berlin: Spendenkampagne sichert Notstromversorgung für beatmete 19-jährige Tochter in 40 Minuten
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Berlin: Spendenkampagne sichert Notstromversorgung für beatmete 19-jährige Tochter in 40 Minuten

Ohne Strom kann Leoni nicht überleben. Als die Krankenkasse ablehnte, startete ein Nachbar eine Crowdfunding-Kampagne – mit überwältigendem Erfolg.
Daniela Antons GoodCrowd.org
Reading time: 4 min
Updated: 15.01.2026
Als Anfang Januar der großflächige Stromausfall Teile der Stadt traf, wurde einer Mutter aus Berlin mit voller Wucht bewusst, wie existenziell die Stromversorgung für ihre Familie ist. Ihre 19-jährige Tochter Leoni ist rund um die Uhr auf Beatmung und Sauerstoff angewiesen – ohne Strom kann sie nicht überleben. Eine Notstromversorgung lehnte die Krankenkasse als "kein Hilfsmittel" ab. Dank einer Spendenkampagne auf GoodCrowd.org, die Nachbar Jonas Schmidt (33) startete, kamen die benötigten 1.600 Euro in nur 40 Minuten zusammen.

Wenn der Strom ausfällt, geht es um Leben und Tod

Leoni ist schwer krank, immungeschwächt und vollständig bettlägerig. Medizinische Geräte versorgen sie mit Beatmung und Sauerstoff – rund um die Uhr. Ihre Mutter (52) pflegt sie seit 17 Jahren allein. In ihrem Haus gab es bislang nie einen längeren Stromausfall. "Deshalb war das Thema für mich lange eher abstrakt. Erst durch den großen Stromausfall wurde mir bewusst, wie real und bedrohlich diese Situation für Familien wie uns tatsächlich ist", erzählt Katharina Lutz.

Die Vorstellung eines Stromausfalls löst existenzielle Ängste aus. "In diesem Moment ist mir sprichwörtlich der Boden unter den Füßen weggerutscht. Allein die Vorstellung, was organisatorisch auf uns zugekommen wäre, hat mir große Angst gemacht", berichtet die Mutter. Ein Hotel oder eine Notunterkunft kommen nicht infrage – die Familie ist auf spezialisierte medizinische Versorgung angewiesen. "Die einzige Option wäre ein Krankenhaus gewesen – und auch nur die Klinik, in der sie behandelt wird, da ihre Krankheitsgeschichte sehr komplex ist", erklärt sie. Doch bei einem großflächigen Ausfall wäre völlig unklar, ob dort überhaupt Kapazitäten vorhanden wären.

Krankenkasse und Sozialamt lehnen Unterstützung ab

Katharina Lutz wandte sich an alle möglichen Stellen: Krankenkasse, Sozialamt, Stiftungen. "Ich habe mich an die Krankenkasse, das Sozialamt und an Stiftungen gewandt – leider überall mit Absagen. Die Krankenkasse teilte mir mit, dass eine Notstromversorgung kein Hilfsmittel sei und man sich daher nicht zuständig fühle. Auch das Sozialamt sah keine Zuständigkeit", berichtet sie frustriert.

"Meiner Meinung nach muss eine Notstromversorgung bei beatmeten Menschen selbstverständlich als Hilfsmittel anerkannt werden. Es geht nicht um Komfort, sondern um Sicherheit und Leben", betont sie. Die Ablehnung trifft viele betroffene Familien hart: "Viele Familien mit pflegebedürftigen Kindern tragen ohnehin schon enorm viel und fühlen sich dabei oft allein gelassen."

Nachbarschaft wird aktiv – 1.600 Euro in 40 Minuten

Jonas Schmidt wohnt im selben Mehrfamilienhaus wie Leoni und ihre Mutter. Das Haus über drei Etagen beherbergt sieben Familien, fünf davon sind eng vernetzt. "Wir haben eine tolle Nachbar*innengemeinschaft. Wir sind über eine WhatsApp-Gruppe vernetzt und versuchen uns gegenseitig zu unterstützen", erzählt der 31-jährige Key Account Manager. Man unternimmt Freizeitaktivitäten zusammen, erledigt füreinander Einkäufe. "Leoni liebt McDonald's. Wir bringen ihr manchmal etwas von dort mit."

Als die Mutter die Idee einer Spendenkampagne äußerte, setzte Jonas sie gemeinsam mit ihr um. Über sein berufliches und privates Netzwerk – Jonas spielte über 18 Jahre Leistungsfußball – erreichte die Kampagne schnell viele Menschen.

Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen: "Die 1.600 Euro kamen innerhalb von 40 Minuten zusammen," so Jonas. Die Mutter erfuhr es durch eine Nachricht. "Ich war sprachlos – 40 Minuten sind kaum vorstellbar. Es war ein sehr bewegender Moment. Zu sehen, wie viel Mitgefühl und Hilfsbereitschaft es gibt, hat mir Hoffnung gegeben und mich tief berührt", sagt sie.

Innerhalb von zwei Tagen verdoppelte sich die Spendensumme auf über 3.000 Euro. Jonas erhielt zahlreiche Rückmeldungen: "Tatsächlich haben mir viele Leute geschrieben, einzelne haben Tipps gegeben bei der Geräteauswahl. Es kam viel Zuspruch: 'Cool, dass ihr das macht', 'Tolle Aktion, habe auch gespendet'."

Notstromgerät kann nun angeschafft werden – weitere Herausforderungen bleiben

Dank der Spenden kann nun eine wohnungstaugliche Notstromversorgung angeschafft werden, die im Notfall sofort einspringt und Leonis medizinische Geräte zuverlässig weiterversorgt. "Dank der großen Hilfsbereitschaft kann ich das dringend benötigte Notstromgerät nun anschaffen. Dafür bin ich zutiefst dankbar. Diese Unterstützung hat mich nicht nur finanziell, sondern auch emotional sehr berührt", sagt die Mutter.

Doch die finanzielle Belastung bleibt bestehen. "Gleichzeitig gibt es viele laufende Kosten, die Familien wie die von Leoni und Katharina dauerhaft begleiten: Wartung des Lifts, medizinisch notwendige Klimaanlage, Pflegeorganisation. Diese Ausgaben kommen jedes Jahr wieder und sorgen immer wieder für Unsicherheit", erklärt Jonas Schmidt. Unter goodcrowd.org/strom-ist-leben kann daher weiter gespendet werden.


"Pflege ist eine gesellschaftliche Aufgabe"

Die 52-Jährige pflegt ihre Tochter seit 17 Jahren – eine enorme körperliche und emotionale Leistung. Im letzten Jahr fiel der Pflegedienst vollständig aus. "Ich habe meine Tochter sechs Monate lang rund um die Uhr alleine versorgt und musste meinen Job pausieren. Auf Nachfrage bei der Krankenkasse erhielt ich die Rückmeldung, dass ich keine Pflegefachkraft sei und daher keine zusätzliche Unterstützung möglich sei – obwohl in dieser Zeit erhebliche Kosten eingespart wurden."

Die Erfahrung zeigt ihr, wie wenig die Leistung pflegender Angehöriger anerkannt wird. "Begriffe wie Burnout spielen bei uns kaum eine Rolle – nicht, weil es keine Erschöpfung gibt, sondern weil wir sie uns nicht leisten können. Pflege hört nicht auf, nur weil man müde ist", sagt sie.

Ihr Appell richtet sich an die Gesellschaft und Politik: "Die große Hilfsbereitschaft zeigt, wie viel Mitgefühl es in unserer Gesellschaft gibt. Gleichzeitig zeigt sie aber auch, dass es strukturelle Lösungen braucht – damit Sicherheit und Unterstützung nicht vom Zufall oder von Spenden abhängen." Sie fordert: "Pflege ist kein persönliches Schicksal. Pflege ist eine gesellschaftliche Aufgabe – und sie braucht endlich verlässliche Strukturen."

Jonas Schmidt betont den Wert gelebter Nachbarschaftshilfe: "Es ist ein schönes Beispiel dafür, was entstehen kann, wenn man sich in der Nachbarschaft unterstützt, nachfragt und füreinander da ist."


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