Garzweiler aufkaufen - Keyenberger Wald in Bewegungshand
Wir kaufen ein vom Tagebau bedrohtes Waldstück.
Wir sammeln Spenden um den Kauf von Grundstücken, allen voran eine Waldparzelle, im Tagebauvorfeld im Rheinischen Braunkohlerevier zu finanzieren. Mit dem Kauf wollen wir der wachsenden Protestbeweung ihre Orte ermöglichen und zum langfristigen Erhalt der Landschaft beitragen.
Hintergrund
Keyenberg liegt in Nordrhein-Westfalen zwischen Köln, Aachen und Mönchengladbach. Die Landschaft ist geprägt von ergiebigen Ackerböden, sanften Hügeln und lange gewachsenen Dorfstrukturen. Hier im Quellgebiet der Niers sind Menschen schon seit 5000 v.Chr. Sesshaft, wie ein Holzbrunnen aus der Zeit verrät. Seit mindestens 893 n.Chr. gibt es auch den Ort Keyenberg. Das Haus Keyenberg aus dem 15. Jahrhundert prägt auch heute noch den Ort.
Die Landesregierung von NRW und der Stromkonzern RWE wollen Keyenberg mitsamt 5 weiteren Dörfern abreißen um die unter ihnen liegende Braunkohle zu fördern und zu verbrennen. Nicht nur soll dafür diese Landschaft unwiederbringlich zerstört werden, Strom aus Braunkohle zu produzieren ist darüber hinaus die klimaschädlichste Art und Weise, ihn herzustellen.
Deshalb geschieht all das nicht ohne Widerstand. Seit vielen Jahren engagieren sich Menschen aus den bedrohten Dörfern zusammen mit Klimaaktivist*innen aus ganz Europa für ein Ende der Braunkohleverstromung. Inzwischen haben wir es als Gesellschaft soweit geschafft, dass sich fast alle einig sind, die Braunkohleverstromung bald zu beenden. Bloß wie bald? Das aktuelle deutsche Kohleaustiegsgesetz und die Leitentscheidung des Landes NRW sehen im Moment noch ein “Weiter so” für den Tagebau Garzweiler bis 2038. Die Menge an Braunkohle, die bis dahin noch gefördert werden soll, orientiert sich eher daran, wie viel Geld RWE mit seinen Kraftwerken noch verdienen will, als an dem CO2 Bugdet, das uns noch zur Verfügung steht, sollten wir den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad begrenzen wollen. Ein lange verheimlichtes Gutachten vom Bundeswirtschaftministerium stellte im letzten Jahr nochmal fest, dass wir als Gesellschaft den Strom aus der Braunkohle eigntlich gar nicht brauchen.
Für den Erhalt der Dörfer kommt es jetzt auf die Zeit an. Fast jede Woche tut eine neue gesellschaftliche Institution ihre Skepsis zum Tagebau kund, zueltzt so verschiedene wie das Bistum Aachen und Jan Böhmermann. Gleichzeitig schafft RWE Fakten, rodet Bäume, reißt Straßen und Häuser ein und pflügt alles einmal um, sodass nichts, was irgendwie schön ist, übrig bleibt.
Wieso hilft es da, Grundstücke zu kaufen?
Grundstücke im Tagebauvorfeld zu kaufen, hilft aus zwei Gründen. Erstens können diese Orte von der stetig wachsenden Klimagerechtigkeitsbewegung genutzt werden. Dort können möglicherweise Rundgänge, Veranstaltungen, Camps, Küchen, Gottesdienste und alle möglichen anderen Aktionen stattfinden. Der zweite Grund bezieht sich auf eine Erfahrung, die wir gerade in Morschenich gemacht haben. Auch das Dorf Morschenich sollte bis vor kurzen noch einer Braunkohlegrube weichen - der Hambacher Grube. Weil der Hambacher Wald jetzt durch den unübersehbaren Protest aus vielen Richtungen gerettet wurde, bleibt auch das dahinter liegende Morschenich erhalten. Die Menschen, die ihre Grundstücke schon in den letzten Jahren an RWE abgegeben hatten könnten eigentlich zurück kehren. Viele wollen das auch. Aber RWE hatte inzwischen eine so große zusammenhängende Fläche erworben, dass es sich für den Konzern eher lohnte das gesamte große Grundstück zu einem hohen Preis an einen Investor zu verkaufen. Obwohl der Boden, wo einst Morschenich stand erhalten bleibt, können die ehemaligen Bewohner*innen nicht dort hin zurück kehren. In den Dörfern bei Garzweiler wollen wir das verhindern, indem möglichst viele verstreute Grundstücke so lange nicht in die Hand von RWE geraten, bis der Tagebau schlussendlich gestoppt werden kann.
Wir machen uns Sorge darum, dass der Keyenberger Wald, sollte er komplett RWE gehören, abgeholzt wird, auch wenn der Tagebau gestoppt wird.
Was passiert konkret mit dem Geld?
Mit dem Geld wollen wir Gründstücke, in der vom Tagebau Garzweiler bedrohten Landschaft kaufen. Diese Grundstücke sollen für Aktionen zum Stopp des Braunkohleabbaus zur Verfügung stehen. Wenn der Tagebau einmal aufgehalten ist, sollen diese Grundstücke in solidarische Nutzung von möglichst lokalen Leuten übergehen und nicht zur Bereicherung einzelner dienen.
Ein erstes Grundstück, eine Waldparzelle bei Keyenberg wurde bereits gekauft und der erste Teil des Geldes soll dazu genutzt werden die bisherigen Kosten zu decken.