Seit 2014 gibt es in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) das Projekt „Joly – Sponsoring von Organizerinnen", in dessen Rahmen bereits Spenden in der Höhe vieler Jahresgehälter für Gewerkschaftsorganizer*innen in Bangladesch gesammelt werden konnten.
Auslöser dieser internationalen Verbindung war der Gebäudeeinsturzes der Rana-Plaza-Textilfabrik in Sabhar am 24.04.2013 bei dem 1135 Menschen getötet und 2438 Menschen verletzt wurden. Bereits am Vortag des Unglücks wurden Risse am Gebäude festgestellt, weshalb die Polizei den Zutritt untersagte. Die Textilbetreiber zwangen dennoch die Angestellten ihre Arbeit aufzunehmen. Die Arbeitnehmer*innen Rechte in der Textilbranche in Bangladesch sind seither im stetigen Wandel. Die Sicherheit der Textilfabriken wird mittlerweile staatlich überprüft und Texilarbeiter*innen dürfen sich in unabhängigen Gewerkschaften zusammenschließen und Lohnverhandlungen führen. Derzeit kämpf man noch immer um eine Mindestlohnerhöhung auf 25000 Taka (214 Euro) pro Monat.
Joly Talukdar hat uns, fünf Gewerkschaftsmitglieder in ver.di, schon mehrmals besucht und uns immer wieder eingeladen, sich die Begebenheiten in Bangladesch selbst anzusehen. Diesen Einladungen möchten wir nun folgen und am 24.04.2026 in Sabhar an der Gedenkveranstaltung zum Einsturz der Rana-Plaza-Textilfabrik teilnehmen, die unter dem Motto „Never Again“ stattfindet. Ein Motto, welche in der deutschen politischen Bewegung zwar einen anderen Schwerpunkt setzt, allerdings genauso zeigt, dass erkämpfte Errungenschaften nicht garantiert sind, sondern man sich für den Fortbestand von Arbeitnehmer*innen-/Umwelt- und Menschenrechten immer wieder gewerkschaftlich einsetzen muss. Nicht zuletzt ist die gelebte internationale Solidarität auch ein wichtiger Damm gegen rechte und nationalistische Einflüsse unter Beschäftigten in Deutschland.
Durch die Delegationsreise versprechen wir uns das Projekt begreifbarer zu machen. Wir wollen Bewusstsein dafür schaffen, wie und unter welchen Bedingungen die Menschen in Bangladesch für unsere Textilien arbeiten und leben. Genauso wollen wir aufzeigen welche Auswirkungen dies auch auf die dortige Umwelt hat. Konkreter wollen wir uns vor Ort mit dem Garment Workers‘ Trade Union Centre (GWTUC) treffen und über die Möglichkeiten der Gewerkschaft dort austauschen. Die GWTUC hat uns eingeladen auch Gewerkschafter auf den Teeplantagen Bangladesch‘ und der Fischer Gewerkschaft zu besuchen.
Während unserer Reise wollen wir unsere Erfahrungen foto- bzw. videografisch festhalten um sie über social media, vorwiegend Instagram, mit einem größeren Publikum teilen und der Publik, der Mitgliederzeitschrift der der.di, zur Verfügung stellen.