Es gibt gute Neuigkeiten von Adelina – endlich!
Diese Woche hat Adelina den wohl wichtigsten Meilenstein erreicht. Sie hat die Kenntnisprüfung bestanden und wird somit die Anerkennung ihres Bachelors of Midwifery erhalten. Sie ist damit endlich anerkannte Hebamme! Wir können also bald von einem Happy End sprechen, allerdings auch erst bald.
Aber beginnen wir von vorne, mit den Ereignissen der letzten Wochen und Monate.
Nach der Abschiebung am 17. November 2020 war klar, dass Adelina und ihr Mann Gezim zurück nach Deutschland kommen wollen, die Lebensumstände im Kosovo waren für beide katastrophal.
Aufgrund des großen Engagements betroffener Patientinnen und entstand ausreichend mediale Aufmerksamkeit, um bei verschiedenen politischen Akteure Interesse zu erwecken und Unterstützung zu erhalten. Dies, sowie die Arbeit der neu beauftragten Anwältin, ebneten den Weg zur Wiedereinreise. Leider mussten wir feststellen, dass eine Einreise über die Westbalkanregelung nicht möglich sein würde. Die einzige verbleibende Option stellte eine Wiedereinreise über das Fachkräfteeinwanderungsgesetz entsprechend §16 Abs. 5 AufenthG (Einreise zur Berufsanerkennung) dar.
Bereits im Jahr 2016 hatte Adelina ihre Unterlagen für die Berufsanerkennung eingereicht. Anfang 2017 kam dann der Bescheid, dass ein spezieller, 16 Monate dauernder Lehrgang oder eine Kenntnisprüfung für die Anerkennung möglich seien. Seit Anfang 2017 stand Adelina auf sämtlichen Wartelisten für einen Lehrgang, sie wurde jedoch immer wieder auf das folgende Jahr vertröstet, bis im fünften Jahr des Aufenthaltes die Abschiebung erfolgte.
Wir mussten nun also eine Lösung finden, dass Adelina tatsächlich die geforderte Anerkennungsprüfung ablegen kann.
Schnell stand fest: Adelina will die Kenntisprüfung ablegen. Dies ist entsprechend der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Hebammen und Entbindungspfleger kein Hexenwerk. Unter dem §16b Abs. 3 HebAPrV „Anerkennungsregelungen für Ausbildungsnachweise aus einem Drittstaat“ ist geregelt, dass die Prüfung aus einem mündlichen und praktischen Teil besteht. Die mündliche Prüfung dauert 15 bis 60 Minuten und es werden Fragen zu Berufs- und Gesetzeskunde, Gesundheitslehre, Hygiene und Geburtshilfe sowie spezielle Arzneimittellehre geprüft. Der praktische Teil lässt sich nochmal in eine Patientenprüfung und eine Entbindungssimulation unterteilen. Die Patientenprüfung beinhaltet eine Schwangerschaftsvorsorge und/oder eine Wöchnerinnenpflege und/oder eine Säuglingspflege von jeweils maximal 60 Minuten. Die Entbindungssimulation findet anhand von vorgegeben Befunden statt und dauert maximal 120 Minuten. Adelina traute sich diese Prüfung zu.
Aber das Problem bestand weiterhin: keine der zuständigen Institutionen erklärte sich dazu bereit die Prüfung abzunehmen, die Ausreden waren teilweise grotesk. Nur dank dem Engagement einiger Politikerinnen und Politiker hat sich schlussendlich eine Prüfungskommission zur Abnahme der Prüfung gefunden. So hat es bis Juni 2021 gedauert, bis tatsächlich die Bestätigung kam, dass die Kenntnisprüfung abgenommen wird. 5 Jahre.
Mit der Bescheinigung konnte dann endlich der Antrag für die Wiedereinreise gestellt werden. Wir haben uns dazu entschieden, das neue beschleunigte Fachkräfteverfahren nach §81 AufenthG zu nutzen, um eine zirka zweijährige Wartezeit für einen Botschaftstermin zu umgehen. Bei dem beschleunigten Verfahren erhält der Arbeitgeber die Vollmacht alle Unterlagen einzureichen. Die zuständige Ausländerbehörde erteilt sodann eine Vorabzustimmung und die antragstellende Person bekommt innerhalb von drei Wochen einen Termin in der Botschaft für die Vergabe des Visums. Die Ausländerbehörde Leipzig hat uns bei diesem Prozess sehr gut unterstützt.
Aber es blieb das Problem mit der Einreisesperre von Gezim und Adelina. Da Adelina die Fachkraft ist, wurde uns geraten zunächst nur die Wiedereinreise für Adelina zu beantragen. Das heißt, sie muss zunächst allein nach Deutschland kommen und erst nach bestandener Kenntnisprüfung könnten wir auch den Antrag für Gezim stellen. Das ist leider auch der Grund, warum wir noch nicht von einem finalen Happy End sprechen können, denn Gezim ist weiterhin im Kosovo. Dem Widerspruch, dass die ausgegebene Einreisesperre der Zentralen Ausländerbehörde Sachsens rechtswidrig sei, wurde stattgegeben. Am 28. Juni wurde ihre Einreisesperre endgültig aufgehoben. Leider wurde die deutsche Botschaft im Kosovo nicht über das Aufheben der Einreisesperre informiert und Adelinas Visumsantrag wurde zunächst abgelehnt. Nach längerem hin und her und vielen Verzögerungen wurde ihr dann doch im August 2021 ein Visum bzw. eine Aufenthaltserlaubnis zum Ablegen der Prüfung zur Anerkennung ihrer ausländischen Berufsqualifikation erteilt. Dies ist nur ein Bespiel dafür, was im Laufe der vergangenen Wochen und Monate schiefgelaufen ist sowie wertvolle Zeit und Geld gekostet hat. Wir haben irgendwann festgestellt, dass jeder Stolperstein, der kommen konnte, uns auch tatsächlich in den Weg gefallen ist, aber mit vereinten Kräften haben wir es geschafft, diese zu beseitigen.
Adelina ist nun seit wenigen Wochen wieder in Deutschland. Sie hat sich intensiv auf die Kenntnisprüfung vorbereitet und schließlich direkt bestanden!
Damit kann sie den Antrag für eine Aufenthaltsgenehmigung stellen und hoffentlich dauerhaft in Deutschland bleiben.
Der Schlüssel zum Erfolg war die enorme Spendenbereitschaft. Ohne das Geld hätte Adelina weder die Anwaltskosten, Prüfungsgebühr, laufende Kosten oder Ähnliches stemmen können, denn wir sind mittlerweile bei Kosten in fünfstelliger Höhe angelangt. Deswegen ein riesiges Dankeschön an alle Unterstützerinnen und Unterstützer! Wir hoffen inständig, dass auch die Wiedereinreise von Gezim mit Hilfe der Spendengelder finanziert werden kann.
Das war ein grober Überblick der letzten Monate. Wir haben irgendwann aufgehört zu zählen, wie viele Anträge ausgefüllt werden mussten und was nicht alles erst im zweiten oder dritten Anlauf funktioniert hat.
Wir melden uns, sobald es Neuigkeiten gibt! Schließlich steht noch ein großes Fest aus!
Bleibt gesund und viele Grüße!
Luticia
im Namen von Adelina und dem Unterstützerteam
14.500 € of 20.000 € collected
73 %
Alexander donated 100 €
Axel donated 100 €
Alexander donated 80 €
Alexander donated 170 €
Alexander donated 120 €
Alexander donated 170 €
Alexander donated 200 €
Alexander donated 200 €
Alexander donated 150 €
Alexander donated 329 €
Campaign has ended
Other news 9
8. September 2021 - das Ziel rückt näher
Luticia Gebhardt · 08.09.2021
Liebe Spenderinnen und Spender,
Ich mache es kurz: Adelina hat ihr Visum bekommen!
Sie bereitet sich nun wahnsinnig motiviert und konzentriert auf die bevorstehende Kenntnisprüfung Anfang Oktober vor. Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, hängt sehr viel am Bestehen dieser Prüfung – ein gemeinsames Leben mit ihrem Mann Gezim in Leipzig, eine berufliche Zukunft als Hebamme in Deutschland, eine sichere Zukunft. Die Weichen sind nun gestellt und es heißt zum Schluss noch einmal: Geduld haben und Ruhe bewahren.
Wir sind euch unglaublich dankbar, dass wir es überhaupt bis hierher geschafft haben. Es stimmt uns nachdenklich, dass man für jedes Recht so kämpfen und vor allem: viel Geld investieren muss. Wir sind traurig darüber, dass es viele Schicksale in ähnlichen Situationen gibt, die nicht auf ein so großes Unterstützernetzwerk zurückgreifen können. Umso mehr wissen wir zu schätzen, was wir gemeinsam schon erreicht haben! DANKE dafür! Wir hoffen nun, dass es in den nächsten Wochen neue gute Nachrichten geben wird.
Wir bitten euch, vorerst keinen persönlichen Kontakt mit Adelina aufzunehmen. Sie ist sehr aufgeregt und möchte sich voll auf die Prüfungsvorbereitung konzentrieren. Wir versprechen euch aber, dass es nach Bestehen ein großes Fest geben wird!
Bis bald!! ;)
Luticia
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Der aktuelle Stand - Juli 2021
Luticia Gebhardt · 27.07.2021
Liebe Spenderinnen und Spender,
es ist längst überfällig, euch wieder auf den aktuellen Stand zu bringen. Die letzten Wochen und Monate waren geprägt von Auseinandersetzungen mit Behörden und Institutionen, um eine Rückkehr von Adelina zu ermöglichen. Immer wieder gab es kleine Rückschläge, bevor wir nichts Schriftliches in der Hand hatten, wollten wir keine Entwicklung kommunizieren. Mittlerweile können wir aber folgende Meilensteine offiziell verkünden: Ja, die Einreisesperre wurde aufgehoben! Ja, wir haben die schriftliche Zusage zur Durchführung der Kenntnisprüfung an einer Klinik, auch der Prüfungstermin im Herbst steht bereits fest! Über das beschleunigte Fachkräfteverfahren darf Adelina zur Berufsanerkennung wieder einreisen, um hier nach bestandener Prüfung als Fachkraft tätig zu sein und ihren Mann Gezim nachholen zu können. Grünes Licht von allen Behörden, selbst das sächsische Innenministerium rühmte sich bereits mit der „genehmigten Rückkehr einer Leipziger Hebamme“ auf Kritik an der Abschiebung einer georgischen Familie aus Pirna. Das Sperrkonto wurde eingerichtet, die Krankversicherung vorausgezahlt. Eigentlich war damit endlich alles gut – was sollte noch passieren, Erleichterung machte sich breit. Die ganze Checkliste erfolgreich abgearbeitet. Dokumente machten sich auf die Reise in den Kosovo, der letzte Schritt – der Besuch in der deutschen Botschaft im Kosovo musste noch erfolgen, um das notwendige Visum für die Wiedereinreise zu erhalten. Was dann passierte, war ein echter Knaller. ABLEHNUNG. Warum? Eine entsprechende Datenbank im Ausländerzentralregister war nicht aktualisiert. Sofort nahmen wir erneut Kontakt zur Ausländerbehörde auf, welche uns versicherte, dass die Daten nun umgehend aktualisiert wurden. So weit, so gut. Doch auf den Ablehnungsbescheid der Botschaft folgt nun erstmal wieder ein Widerspruchsverfahren und eine erneute Prüfung, begleitet von der Hoffnung, dass es nun schnell geht, da der lang erkämpfte Prüfungstermin fix ist und auch die Prüfungsgebühren in Höhe von 1000€ an die Leipziger Klinik bereits bezahlt werden mussten. Es ist eine Farce, wenn man all die Mühen und Investitionen der letzten Monate bedenkt, der Glaube, dass alles „save“ sei, und dann ist es eine „nicht aktualisierte“ Datenbank, welche Adelina und die Unterstützer weiter in Unsicherheit und finanzielle Herausforderungen stürzt. Unsere Anwältin hat sich zwar umgehend des Widerspruchsverfahrens angenommen, aber keiner kann sicher sagen, wann sich die deutsche Botschaft der Sache noch einmal annimmt, eine versuchte Kontaktaufnahme seitens der Anwältin oder der Ausländerbehörde blieben bis zuletzt leider erfolglos.
Adelina lernt fleißig und ist motiviert, die Kenntnisprüfung im Herbst zu bestehen. Gerne hätten wir sie so bald wie möglich in Leipzig willkommen geheißen, damit sie sich in Ruhe ohne Sorgen final und mit der Unterstützung durch ihre ehemalige Arbeitgeberin Hebamme Dagmar Röger auf die Prüfung vorbereiten kann, letzte Fragen geklärt werden können.
Was wir mit Sicherheit sagen können: Wir wären nicht bis zu diesem Punkt gekommen, wenn wir nicht die finanziellen Möglichkeiten durch jede einzelne Spende hätten. Den Mammutanteil der bisherigen Ausgaben mit knapp 6000€ haben die Anwaltskosten, gefolgt von Prüfungsgebühren und Kosten für die Krankenversicherung summieren sich auf Ausgaben von aktuell zirka 9900€. Die momentan verbleibenden 4000€ müssen nun reichen für die Rückreisekosten inklusive Visa, Schlussrechnungen der Anwaltskanzlei, die Abschiebungskosten (für welche Adelina noch eine Rechnung erhalten wird) sowie als „Überbrückungsgeld“ nach ihrer Rückkehr bis zum Bestehen der Prüfung im Herbst.
Wir bleiben optimistisch, wir haben schon so viel geschafft! So kurz vor dem Ziel lassen wir uns nicht mehr aus der Ruhe bringen! Wir hoffen, euch bald neue gute Nachrichten überbringen zu können.
DANKE für alles!!
Luticia – im Namen von Adelina und allen Unterstützern.
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