In 2015 habe ich in Kenia Freiwilligenarbeit gemacht. Es war mein Traum, einen Beitrag für andere dort zu leisten und meinen Horizont zu erweitern. Dort lebte ich bei meiner Gastfamilie in einem Slum nahe Nairobi. Gearbeitet habe ich in einer Kindertagesstätte mit Waisen und Kinder, deren Eltern arbeiteten. Die Eltern mancher Kinder haben Essen mitgebracht, das wir dann für alle aufgeteilt haben. Spielzeug und Kleidung wurden gespendet.
Meine Gastmama Lucy hat jeden Tag alles dafür gegeben, ihrer Familie ein gutes Leben zu ermöglichen. Für sie war es selbstverständlich, dass ich fortan zur Familie gehörte. Wenn ich am Abend von der Arbeit in einer Kindertagesstätte nach Hause kam, wartete sie mit einer kleinen Mahlzeit auf mich. Wir haben viel miteinander gesprochen. Sie hat mir gezeigt, wie sie lebt und Essen zubereitet. Ich habe ihr erzählt, wie wir es in Deutschland machen. Lucy lebte damals bereits hauptsächlich alleine mit ihrem ersten Sohn Ian in der kleinen Wohnung unter einem Blechdach. Sie war gerade schwanger mit ihrem zweiten Sohn. Ihr Ehemann war viel unterwegs und kam lediglich zweimal die Woche nach Hause, um sich bekochen zu lassen. Ich sah jeden Tag, was Lucy alles auf die Beine stellt, um ihrem Sohn Ian eine gute Bildung zu ermöglichen. Sie brachte ihn liebevoll zur Schule und erledigte gemeinsam mit ihm die Hausaufgaben. Sie ist eine tolle Frau! Sie hat eine Ausbildung gemacht nach der Schule und dennoch hat sie in Kenia kaum Chancen, einen Job zu finden. Sie wäscht jeden Tag die Kleidung der Nachbarn, um Essen und Trinken für ihre Familie zu kaufen.
Auch nach meiner Zeit in Kenia haben wir immer den Kontakt gehalten. Wir haben telefoniert, uns Bilder geschickt und uns für immer ins Herz geschlossen. Ian hat mit Bravour die Grundschule absolviert und wurde dazu ernannt, auf ein anerkanntes Internat zu gehen - was viel Geld kostet. Geld, das Lucy leider nicht hat. Ich habe mir das gut überlegt und dann entschieden, dass ich Ian die Schule bezahle. Ian hat bereits seine ersten Klassenarbeiten absolviert und wurde zweitbester seiner Klasse! Über jedes Foto, das ich erhalte, freue ich mich riesig. Ich habe meinen Freunden davon erzählt, dass ich die Schule bezahle. Seitdem wurde ich mehrfach gefragt, ob ich das nicht hinbekommen
könnte, dass jeder ein paar Euro geben kann und es dann weniger für mich sei. Und das habe ich mit fünf Minuten Aufwand hinbekommen und bei betterplace ein Spendenkonto eingerichtet. Das war damals der Start des Schulprojektes, um Kindern ein Leben außerhalb des Slums zu ermöglichen.