Maria lebt im kleinen Ort Bacioiu im Osten Rumäniens. Für sie und ihren Mann gibt es in dieser ländlichen Gegend nur selten Arbeit, aber sie wohnen mit Marias Mutter und vier Kindern im eigenen Haus, einem selbst gebauten kleinen Bungalow. Das Leben ist ärmlich, aber im Ort geht es vielen Menschen so. Man gibt sich gegenseitig Tipps, wo ein wenig Geld zu verdienen ist, und so kommen Maria und ihr Mann Cristi eines Tages nach Deutschland, um die Obdachlosenzeitung "Asphalt" zu verkaufen, während die Kinder daheim bei der Großmutter bleiben.
Zweimal im Jahr machen sich Maria und Cristi auf die 2000 km lange Reise nach Deutschland und bleiben sechs oder acht Wochen an einem zugewiesenen Platz. Sie kaufen die Obdachlosenzeitungen zu einem reduzierten Preis und verkaufen sie dann weiter. Den Gewinn von 1,70 € pro Zeitung dürfen sie behalten. Vor dem Edeka-Markt in Kirchhatten treffe ich Maria zum ersten Mal im Jahr 2020. Sie lächelt jeden freundlich an und ist dankbar, wenn man ihr einen Kaffee spendiert. Ihr Mann Cristi verkauft seine Zeitungen in einem anderen Ort.
Dann wird Maria krank. Die Gallenblase und ein Stück der Leber müssen entfernt werden. Für eine Krankenversicherung hat die Familie kein Geld, und so wird das Auto verkauft, um Marias Operation in Rumänien zu finanzieren. Mit Schmerzen steht sie schon wenige Wochen später wieder vor dem Edeka-Markt in Kirchhatten, denn jeder Euro wird dringend gebraucht.
Die Katastrophe passiert im Januar 2024 in Rumänien: Marias Mann erleidet einen Herzschlag und stirbt. Maria ist 45 Jahre alt und steht mit ihren vier Kindern, der jüngste Sohn ist neun Jahre alt, und ihrer Mutter allein da. Um Ostern herum treffe ich Maria wieder in Kirchhatten, und sie berichtet mir von ihrem Schicksalsschlag. Doch das ist nicht alles. Völlig aufgelöst steht sie auf dem Parkplatz "ihres" Edeka-Marktes und hat gerade erfahren, dass die Marktleitung sie nicht länger vor der Tür duldet. Mit den Worten "weg, weg, weg" habe man sie wie einen Hund verscheucht. Wir gehen zusammen zum Marktleiter, aber er lässt sich nicht erweichen. Man habe Sorge, dass sich Bettler vor dem Eingang ansiedeln könnten.
Auch vor dem benachbarten Aldi-Markt will man sie nicht sehen. Die Kassiererinnen kommen extra nach draußen und drohen mit der Polizei. Ein rumänischer Bekannter bringt sie nach Wildeshausen zu einem großen Einkaufsmarkt, wo sie am Nebeneingang bei den Leergutautomaten geduldet wird. Statt wie in Kirchhatten bis zu 70 € verdient sie hier zwölf bis 20 € am Tag.
Am 1. April 2025 verstirbt auch Marias Mutter. Ohne Hoffnung auf eine Chance im Leben lässt Maria ihre drei minderjährigen Kinder in der Obhut der ältesten Tochter (20) zurück und kommt Ende April noch einmal nach Deutschland. Ich treffe sie gemeinsam mit dem Lokalredakteur der NordWest-Zeitung, dem sie ihre Geschichte erzählt. Die Hilfsbereitschaft der Kirchhatter, die Maria seit Jahren kennen, ist nach der Veröffentlichung des Zeitungsberichtes groß: Mehr als 2500 € werden an sie überwiesen und nehmen ein wenig die Zukunftssorgen.
Doch dann wird Maria erneut krank und muss zu einer teuren Untersuchung ins Krankenhaus. In einer Notoperation wird im Juli wieder ein Teil der Leber entfernt. Das Krankenhaus stellt eine Rechnung über 3000 € aus und ermöglicht Maria Ratenzahlungen. Monatlich fordert das Krankenhaus 130 €, eine staatliche Unterstützung erhält Maria nicht.
Den Sommer erlebt die Familie ohne Strom, denn das wenige verbliebene Geld muss für Essen reichen. Gekocht wird auf dem Feuerofen mit Holz, das Maria im Wald sammelt. Jetzt, in der dunklen Jahreszeit, legen Nachbarn ein wenig Geld zusammen, um Maria Elektrizität im Haus zu ermöglichen, aber geheizt und gekocht wird weiterhin mit gesammeltem Holz.
Während die älteste Tochter inzwischen bei der Familie ihres Lebensgefährten wohnt, besucht ihre 18-jährige Schwester das Gymnasium in der nahegelegenen Stadt Bacau. Sie möchte später Medizin studieren. Die beiden Söhne (11 und 13) wünschen sich ein normales Leben, wie ihre Freunde es führen.
Jetzt, im Dezember 2025, verkauft Maria wieder ihre Straßenzeitungen in Wildeshausen. Weihnachten will sie wieder zuhause bei ihren Kindern sein. Heute sagte sie mir: "Ich weiß wirklich nicht, warum Gott mein Leben so schwer macht. Aber mein größter Wunsch ist, dass meine Kinder eine Zukunft haben."
Jeder Euro, den Menschen für Maria spenden, hilft, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Die Spenden, die auf diesem Weg eingehen, werden direkt an Maria weitergeleitet. Mit dem gespendeten Geld kann sie nicht nur Essen kaufen und die Raten an das Krankenhaus zurückzahlen, sondern auch dringend benötigte Medizin und hin und wieder ein Kleidungsstück für die heranwachsenden Kinder besorgen.
Im Namen von Maria sage ich vielen Dank!