Hallo,
ich lebe in Ruanda / Ostafrika,ich komme aus Deutschland.
Nehmt Euch bitte Zeit ,ich möchte meinen Aufruf für Theogene transparent machen,denn ich weiss selbst wie wichtig es ist zu wissen wie sich das Problem darstellt.
Ein paar Worte zum Genozid in Ruanda in Kurzfassung :
Der Völkermord in Ruanda war eines der schlimmsten Verbrechen des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1994 wurden innerhalb von etwa 100 Tagen rund 800.000 bis 1 Million Menschen ermordet, überwiegend Angehörige der Tutsi Minderheit, aber auch gemäßigte Hutu. Die Ursachen lagen in jahrzehntelangen Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen der Hutu und Tutsi, die durch die Kolonialzeit verursacht wurden,denn sie teilten mit einem Stempel in jeden Pass die Menschen i.Bevölkerungsgr.ein, die sie vorher nie brauchten , sie schuffen damit Ungleichheit im Land.
Nach dem Abschuss des Flugzeugs des damaligen Präsidenten Juvénal Habyarimana am 6. April 1994 begann die Gewalt. Radikale Kräfte organisierten gezielte Massentötungen. Nachbarn wurden zu Tätern, oft unter Zwang oder durch Propaganda. Erst als die Rebellenarmee der Rwandan Patriotic Front das Land übernahm, endete der Genozid im Juli 1994. Die Folgen sind bis heute spürbar. Millionen Menschen wurden traumatisiert, Familien zerstört und ein ganzes Land musste sich neu aufbauen.
Seitdem ich hier lebe, erlebe ich den Aufschwung des Landes – und sehe zugleich die Folgen des Genozids, besonders bei Halbwaisen und Waisen und in ihrem weiteren Leben.
Wir haben einen Wachmann Theogene an unserem Haus. Ja, es klingt vielleicht ungewohnt, aber in Ruanda ist das üblich , es schafft Arbeitsplätze. Es ist ein freundliches, aber auch tief traumatisiertes Land.
Theogene hat mir nach ca. einem Jahr Arbeit bei uns seine Geschichte erzählt. Ich habe ihn nie gedrängt, denn ich wusste, dass er sprechen würde, wenn er bereit ist. Wir kommunizieren über einen Übersetzer, da er nur Kinyarwanda spricht. Das Schreiben fällt ihm schwer und dauert lange, weil er es nie richtig lernen konnte.
Er besuchte nur bis zur 3. Klasse regelmässig die Schule. Dann kam der Genozid ,das Grauen.
Manchmal sitzen wir einfach zusammen, während er Wort für Wort in das Handy tippt. Es braucht Zeit, aber ich habe gelernt, diese Zeit auszuhalten.
Er hat Dinge erlebt, die ich mir kaum vorstellen kann. Und dennoch sitzt er jeden Tag vor unserem Haus ,freundlich, ruhig und zuverlässig.Er ist dünn und man sieht ihm die Mangelernährung aus seiner Kindheit an und auch so gab es später Hungerjahre die Spuren hinterlassen haben.
In solchen Momenten wird mir bewusst, dass der Aufschwung eines Landes nicht bedeutet, dass die Vergangenheit vergangen ist. Sie lebt weiter – in den Menschen.
Am 7. April 2026 haben wir gemeinsam mit den Menschen hier getrauert. Dieser Tag hat uns tief bewegt.
Ich möchte Theogene und seiner Familie helfen. Zurzeit unterstützt ich ihn dabei, seinen theoretischen Führerschein zu machen – ich übernehme die Kosten für die Ausbildung, die Fahrstunden und die Prüfung sowie die Krankenhauskosten für sein letztes Kind,es hatte gesundheitliche Probleme gleich nach der Geburt.
Was ihm noch fehlt, ist ein E-Motorrad (nur diese werden in Ruanda noch zugelassen), um selbstständig Geld verdienen zu können als Bote oder Motorrad Taxi -Fahrer .Außerdem möchte er eine Schule für Erwachsene besuchen, um Lesen und Schreiben zu lernen.
Ab Herbst wird er seine Arbeit als Wachmann verlieren, da wir weiterziehen. Ohne ausreichende Lese- und Schreibkenntnisse wird es für ihn sehr schwer sein, eine neue Anstellung zu finden. Seine Chancen, seine Familie mit vier Kindern zu versorgen, sind gering.
Deshalb bitte ich um Unterstützung für diese vom Genozid geprägte Familie. Ich werde alle Schritte transparent machen und mit Fotos dokumentieren.
Mail von Theogene am 7.4.26 / 20:00
Ich danke euch sehr für all das Gute und die vielen Dinge, die ihr für uns tut, und dafür, dass ihr in Zeiten des Gedenkens und des Wiederaufbaus bei uns seid. Im Jahr 1994 habe ich wertvolle Menschen in meinem Leben verloren.
Ich war in der dritten Klasse der Grundschule. Bei uns zu Hause waren wir arm, aber ich hatte einen Onkel väterlicherseits, der mir bei der Schule half, weil ich sehr klug war. 1994 ging ein Bruder meines Vaters zur Armee und fiel im Kampf zur Befreiung des Landes und zur Beendigung des Völkermords an den Tutsi. Meinen Vater und meinen ältesten Bruder haben wir ebenfalls verloren – wir wissen nicht, wo sie gefallen sind.
Nach all dem begann für mich ein noch schwierigeres Leben als zuvor, denn ich blieb mit meiner Mutter zurück, die durch die Ereignisse eine Behinderung hatte, sowie mit fünf Geschwistern. Der Älteste nach mir konnte das Leben nicht mehr bewältigen, und unsere Verwandten ließen uns im Stich. Mein älterer Bruder ging schließlich weg und lebte auf der Straße.
Auch meine Schulbildung wurde schwierig: Ich ging manchmal nur einen Tag zur Schule, dann musste ich Wasser für andere holen oder Einkäufe für Menschen auf dem Markt tragen, damit sie mir etwas Geld gaben, um Essen zu kaufen und nach Hause zu bringen. So war unser Leben. Schließlich wurde es unmöglich, weiterzulernen, und ich brach die Schule in der fünften Klasse der Grundschule.
Entschuldigt bitte, dass ich so viele Worte mache, aber ihr seid mir sehr wichtig, denn ihr steht an der Stelle derjenigen, die ich verloren habe.
Ich danke euch von Herzen, ihr Eltern. Ihr füllt die Lücke derer, die ich verloren habe. Ihr habt mir geholfen, wieder Hoffnung im Leben zu finden. Auch meine Frau hat eine ähnliche Geschichte, aber jetzt haben wir dank euch Freude und Glück. Ihr seid Menschen, die uns Liebe gezeigt und uns auch praktisch geholfen haben. Vielen Dank, möge Gott euch segnen.