Rudi & ich

Nina P Potsdam, Germany

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„Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund!“ (Hildegard von Bingen)

Ein freundliches Hallo an alle Leser/innen!

Nach langem Grübeln und Abwägen habe ich mich nun doch dazu überwunden, mal einen neuen Weg einzuschlagen, der sich „um Hilfe bitten“ nennt. Habe ich doch bislang immer ganz nach dem Motto gelebt, ich schaffe das alles schon alleine, gehört diese Fähigkeit wahrlich nicht zu meinen Stärken, aber der Mensch wird ja im Alter bekanntlich weiser und meine derzeitige Situation hat sich verändert, also versuche ich das ebenfalls mal.

Ich heiße Nina, bin 41 Jahre jung und lebe mit meinem Vierbeiner Rudi zusammen. Rudi wird im Januar drei Jahre alt. Ich habe die Fellnase mit vier Wochen das erste Mal gesehen und seit seiner neunten Lebenswoche lebt er bei mir und an eine Zeit ohne ihn kann ich mich kaum noch erinnern. Ich habe vor 12 Jahren, nach einigen Klinikaufenthalten, die Diagnose „Emotional Instabile Persönlichkeitsstörung (Gesellschaftlich bekannt als „Borderline Störung“, wer mehr darüber erfahren möchte, kann gerne weiter runterscrollen), einhergehend mit einer Esstörung, depressiven Phasen und einer Angststörung erhalten. Der Teufel „Essstörung“ hat sich seit Eintritt von Rudi in mein Leben sehr zurückgezogen, denn ich muss körperlich fit sein, um Rudi das zu geben, was er verdient. Darauf bin ich tatsächlich ein wenig stolz, auch wenn es komisch ist, dies so "auszusprechen“.

Rudi ist ein Schnoodle, d.h. eine Mischung aus Schauzer und Pudel und somit gehört er zu den Rassen, die sich als Therapie/Begleithund sehr gut eignen. Mein großer Traum war es immer, meine Tätigkeit als Erzieherin in Zukunft gemeinsam mit ihm auszuüben und so den Kindern, ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, so wie es täglich bei mir passiert. Kurz nach Rudis Einzug bei mir, hat sich meine gesundheitliche Verfassung allerdings durch äußere Umstände rapide verschlechtert. Konkret bedeutet dies, dass ich noch empfindlicher gegenüber Geräuschen geworden bin und Menschen um mich herum oft eine große aber unbeschreibliche Angst auslösen. Ich war schon immer gerne alleine und ich habe viele Situationen, die Andere als spaßig erleben, als anstrengend empfunden, eben aufgrund der Gegebenheit, dass ich sehr geräuschempfindlich bin und Menschen in meiner unmittelbaren Nähe ein Gefühl der Panik auslösen können. Rudi sorgt dafür, dass ich trotzdem in Kontakt treten kann und ich bei unseren Gassirunden in unserem Wohnviertel nicht ständig mit Scheuklappen durch die Gegend laufe. Es fällt mir mit ihm an meiner Seite deutlich leichter, ein paar Worte mit anderen Hundemenschen zu führen, was für mich noch vor drei Jahren undenkbar gewesen wäre.

Aufgrund meiner Symptomatik musste ich die Tätigkeit als Erzieherin inzwischen aufgeben. Eine berufliche Rehabilitationsmaßnahme hat ergeben, dass auch eine Tätigkeit in einem anderen Beruf eher zur Verschlechterung meines Zustandes führen würde , was zur Folge hat, dass ich ab dem 01.12. eine Rente wegen voller Erwerbsminderungsrente erhalte. Diese, doch große, Veränderung habe ich inzwischen angenommen und bereits eine Idee, wie es „aktivitätsmäßig“ für mich weitergehen kann (Ehrenamt im Bereich psychisch erkrankter Menschen und deren Genesungsmöglichkeiten stärken). Allerdings hat diese finanzielle Veränderung gleichzeitig einen großen, schweren Stein auf meine Brust plumpsen lassen, der die Aufschrift trägt:“ Wie soll ich Rudis monatlichen Beitrag für seine Operations- und Krankenversicherung, seine Hundehaftpflicht und unsere Trainingsstunden bezahlen?“

Rudi ist ein vorsichtiger und sehr sensibler Kerl, ist allerdings ein großer Fussballer, wenn er seine Bälle um sich hat und wird hier von unseren Nachbarn, als reizendes Wesen mit einem einzigartigen Charakter beschrieben. Er hatte allerdings mit fünf Monaten einen gefährlichen, sogenannten „Zwingerhusten“, deren Behandlung mich an den Rand meiner finanziellen Belastungsgrenze geführt hat. Schnell war danach also klar, Rudi benötigt ebenso wie wir Menschen, eine Tierkrankenversicherung, damit ich mich neben der emotionalen Sorgen nicht auch noch wegen des Bezahlens der Behandlungskosten schlaflos von rechts nach links wälzen muss. Rudi hat also eine Tierkranken- und Operationsversicherung, letztere mussten wir glücklicherweise noch nie in Anspruch nehmen. Aber Anfang diesen Jahres bestand bei Rudi der Verdacht auf Morbus Addison, eine schwere Erkrankung der Nebennierenrinde, die eine monatelange Therapie mit Kortison und Diagnoseverfahren (x spezielle Blutuntersuchungen in kurzen Abständen, Ultraschall etc., manchmal drei Tierarztbesuche in der Woche) nötig gemacht hat. Die Kosten waren immens und ohne Versicherung nicht zu stemmen gewesen. Die Kortisongabe konnten wir im Juli ausschleichen lassen und bislang hat sich der Verdacht nicht bestätigt. Allerdings leidet Rudi seit er klein ist, an einer Hauterkrankung, die für Pudel typisch ist. Es bilden sich immer wieder kleine Beulen auf seiner Haut, die wachsen und irgendwann kleine Wunden hinterlassen, die dann zu Beginn stark bluten, aber nach konsequenter Pflege und Bodytragen abheilen. Zu einem operativen Entfernen konnte ich mich bislang nicht durchringen, zu groß ist meine Angst vor der Narkose und anschließenden Wundheilung, wenn so viele kleine, offene Stellen auf einmal gibt. Zumal diese Hautbeulen (sogenannte Hotspots) immer wieder neu wachsen. Deshalb gehen wir den klassischen Weg, d.h. Versorgung wenn es Wunden gibt, was von unserer Tierärztin absolut befürwortet wird, da die „Beulen“ Rudi keinerlei Schmerzen bereiten. Aber auch hierfür ist die Tierkrankenversicherung unerlässlich!!!

Passend zum Beginn meiner Erwerbsminderungsrente habe ich von der Versicherung allerdings die Information erhalten, dass der monatliche Beitrag ab Dezember auf fast 95 Euro erhöht wird. Mit der Hundehaftpflichtversicherung berufen sich alleine diese monatlichen Kosten also auf gut 100 Euro, die auch ohne berufliche Veränderung hoch wären aber mit dem Eintritt in die Erwerbsminderungsrente natürlich noch erschreckender auf mich einwirken. Ich habe, besonders in diesem Jahr, erleben müssen, wie wichtig es ist, seinen Hund von guten Ärzten behandeln lassen zu können und ihm die Therapien zu ermöglichen, die gewisse Krankheiten bedürfen. Und mit Blick auf seine chronische Hauterkrankung bleibt das weiterhin wichtig! Neben der medizinischen Versorgung von Rudi gibt es den angefangen Weg, mit einer Hundetrainerin, von dem ich mir so sehr wünschen würde, ihn weitergehen zu können, trotz bzw. eigentlich gerade wegen der Erwerbsminderungsrente. Ich habe nie einen Führerschein machen können und bin daher ausschließlich zu Fuss unterwegs. Ja, genau…ich versuche alle Wege zu Fuss zu absolvieren, da sich die Lage in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein gerade in den vergangen 1,5 Jahren für mich zugespitzt hat. Auch hier sind die Geräusche und Menschen um mich herum ein großer „Angstfaktor“. Rudi und ich möchten weiterhin den Gang zum Bahnhof, durch einen Bahnhof und den Aufenthalt in Bus und Bahnen trainieren, weil zu Fuss eben doch nicht immer alles möglich ist. Dafür möchten wir auch im kommenden Jahr Einzelstunden bei einer Hundetrainerin nehmen, denn ein Gruppentraining ist aufgrund meiner beschriebenen Symptomatik und dem besonderen Trainingsort nicht möglich.

Tja, also handelt es sich bei meinem Aufruf quasi um einen medizinischen Hilferuf auf doppelter Ebene – Für Rudis Gesundheit benötige ich die finanziellen Mittel um die monatlichen Beiträge der Versicherung zu begleichen und für meine Gesundheit ist Rudis Versorgung das Fundament, auf dem wir weiter aufbauen können. Ich habe viele Klinikaufenhalte, ein spezielles Therapieprogramm (DBT) und ein Jahrzehnt ambulante Verhaltenstherapie hinter mir und ohne all diese Schritte wäre ich jetzt sicherlich nicht dort wo ich bin und vor allem die die ich jetzt bin aber der Eintritt von Rudi in mein Leben und das Leben mit ihm, ist die wertvollste und effektivste Heilungsmaßnahme, die ich kennenlernen durfte.

Derzeit fehlen 50 Prozent an Therapieplätzen die benötigt werden, weil eben auch nicht ausreichend Psychotherapeuten/innen existieren. Psychische Erkrankungen sind nicht sichtbar. Stellen wir uns aber mal vor, wir hätten nur noch 50 % Orthopäden, die die Möglichkeit haben Knochenbrüche und andere Erkrankungen im Bewegungsapparat zu heilen…uns würden morgen auf unseren verschiedenen Wegen sehr viele hinkende und humpelnde Menschen entgegenkommen. Wir würden also den Mangel unmittelbar sehen und versuchen diesen zu beheben. Menschen mit psychischen Erkrankungen sind jedoch unsichtbar bzw. ihr Bedarf an Heilung ist nicht erkennbar aber deshalb genauso wichtig, wie eine sofortige Behandlung eines Beinbruchs. Wir als Gesellschaft sollten offener über psychische Erkrankungen sprechen, damit Betroffene und deren Angehörige wissen, dass es Hilfe gibt. Das Thema psychische Erkrankungen gehört entstigmatisiert und enttabuisiert. Wir sollten dahin kommen, zu verstehen, dass es keine Schande ist, eine psychische Erkrankung zu haben. Betroffene haben nichts falsch gemacht.

Deshalb möchte ich meinen neuen Lebensabschnitt, Beginn der Erwerbsminderungsrente, annehmen und meine Möglichkeiten nutzen, um mich ehrenamtlich zu engagieren und evtl. einen Teil zum Sichtbarmachen beitragen. Mal sehen, wohin mich die nächsten Wochen und Monate führen werden. Wir werden euch auf dem Laufenden halten!

Vielen Dank für das Lesen meines Aufrufs und an Alle, die sich dazu entscheiden, mich bzw. uns zu unterstützen! 🙏 Auch für jedes Teilen oder Weiterleiten sagen wir Danke!

Exkurs Emotional Instabile Persönlichkeitsstörung:

Versucht man, Borderline aus der Betroffenen-Perspektive zu beschreiben, ist es gar nicht so einfach, passende Worte dafür zu finden. Was Fachleute als Störung der Emotionsregulation beschreiben, ist im Alltag der Betroffenen ein permanentes Gefühlschaos, oder eine ständige Achterbahnfahrt der Gefühle. Und was Professionelle als dysfunktionale Spannungsregulation betiteln – wie etwa Schneiden oder Drogenmissbrauch – sind für die Betroffenen verzweifelte Versuche, mit diesem inneren Chaos umzugehen. Oft geht es im Alltag für die Betroffenen darum, auszuhalten. Sie müssen die Einsamkeit aushalten, während sie sich nach Nähe sehnen können dann die Nähe aber nicht ertragen und fürchten das Verlassen werden. Es gibt weder Flucht noch Sicherheit. Borderline-Betroffene müssen Anspannung und diese innere Leere ertragen, die wie eine subtile Bedrohung wirkt und hinter jeder Art von Leerlauf lauert. Und manchmal fühlt es sich an, als ob man durch eine unsichtbare Wand von dem Rest der Welt getrennt ist, an der man niemals teilhaben kann. Das alles ist für die Betroffenen veränderbar–dazu brauchen sie jedoch Begleiter im Alltag, die die Borderline-Störung verstehen können.Man fühlt viel stärker als andere Menschen und nimmt die Welt deshalb anders wahr als sie. Die Essstörung ist eine weitere psychische Begleiterkrankung der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung, ebenso wie Depressionen, Angststörungen und Soziale Phobien.

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Nina P
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18. November 2025
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