Im Juni 2026 wird im Transcript Verlag mein Buch “The Last Ghetto: An Everyday History of Theresienstadt” (OUP, 2020) erstmals in deutscher Übersetzung erscheinen.
Die Nazis benutzten die ehemalige Festungsstadt als ein Transitghetto. Sie schickten über 140.000 Juden und Jüdinnen aus der besetzten Tschechoslowakei, Deutschland, Österreich, Dänemark, den Niederlanden und Ungarn nach Theresienstadt. 34.000, vor allem ältere Menschen, starben hier, meist an den Folgen von Mangelernährung. Weitere 90.000 wurden in die Lager und Ghettos im NS-okkupierten Osten geschickt. Im Gegensatz zu anderen Ghettos bestand Theresienstadt bis zur Befreiung fort, mit zuletzt 15.000 Menschen.
„Das letzte Ghetto“ untersucht, wie aus verschiedensten Menschen, die gewaltsam aus ihrer Heimat gerissen wurden, eine Gesellschaft entstand. Im Mittelpunkt des Buches stehen die Stimmen der Häftlinge von Theresienstadt: Tagebücher, Briefe, Oral Histories, frühe Zeugnisse, Memoiren, Zeichnungen und auch Aussagen in Prozessen, die ich in 99 Archiven und zehn Sprachen studierte. Das Buch bietet ein einfühlsames und inklusives Porträt der vielen Perspektiven, aus denen Menschen das Theresienstädter Ghetto erlebten, ohne eine bestimmte Gruppe dieser Zeugen hervorzuheben. Mit seinem Schwerpunkt auf der jüdischen Geschichte des Holocaust ist dieses Buch im deutschen Holocaustgeschichtsdiskurs, der allzu oft die Tätergeschichte verfolgt, ein seltenes Werk. Es zeigt auch, wie Menschen, die als Juden verfolgt wurden, ihr Jüdischsein in dieser Zwangsgesellschaft verstanden und auslebten.
Zu meiner Person: Ich wuchs als Angehörige der dritten Generation von Holocaustüberlebenden und tschechischen Widerstandskämpfer*innen in Prag auf, studierte an der Humboldt-Universität in Berlin Geschichte, Anglistik und Soziologie und wurde 2013 an der University of Toronto promoviert mit eben dieser wissenschaftlichen Arbeit über „The Last Ghetto“. Sie wurde sowohl mit dem Irma-Rosenberg- als auch dem Herbert-Steiner-Preis ausgezeichnet. Die englische Originalausgabe des Buches erfreut sich einer guten Nachfrage, im Herbst 2023 erschien zudem eine Paperback-Ausgabe. Das gleiche gilt für die tschechische Ausgabe (Kalich 2022). Ich arbeite und forsche als Reader for modern European continental history an der University of Warwick. Ich habe das Warwick Center for Global Jewish Studies mitgegründet, dessen Direktorin ich auch bin.
Spende:
Es war mir wichtig, dass mein Buch auch eine deutsche Leserschaft findet. Als Publikationsort habe ich nach langer Suche den Transcript Verlag gewonnen, der bereit war, die Rechte bei Oxford University Press zu kaufen. Die Übersetzungskosten muss ich allerdings selbst tragen. Mit Norbert Juraschitz konnte ich einen fantastischen und erfahrenen Übersetzer gewinnen. Seine Übersetzung ist bereits fertiggestellt. Dank einer privaten Spende und eines Zuschusses der Stiftung Zeitlehren ist ein Großteil der Kosten gedeckt. Es bleiben jedoch €3400 offen: €1700 für die Übersetzung (die ich zunächst aus eigenen Mitteln bezahlt habe) und €1700 für den Index: ich konnte einen erfahrenen Lektor gewinnen, der mein Buch unterstützen will und mir mit dem Honorar entgegenkommt. Die VG Wort stellt übrigens keine Mittel für Übersetzungen zur Verfügung. Ich habe darüber hinaus bei zahlreichen Institutionen und Trägern der politischen Bildung und der Erinnerungskultur für die Unterstützung meines Publikationsprojektes geworben – leider allesamt mit abschlägigen Bescheiden, was ich in Zeiten eines erstarkenden Rechtsextremismus und der Infragestellung des Erinnerns für ein verstörendes Signal halte.