Liebe Freundinnen und Freunde,
mittlerweile konnte der Betroffene das Krankenhaus verlassen. Er und wir als DIG Würzburg sind überwältigt und dankbar für die große Solidarität und Hilfsbereitschaft.
Diese Unterstützung macht einen ganz konkreten Unterschied: Sie gibt dem Betroffenen in dieser schwierigen Zeit Rückhalt und hilft ihm dabei, sich voll auf seine Genesung und die kommenden Schritte zu konzentrieren.
Auf der Mahnkundgebung am 24. Juli in Würzburg richtete der Betroffene ein Grußwort an alle Unterstützer*innen, das wir hier mit euch teilen möchten:
"Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde, Chawerim,
Ich freue mich ganz außerordentlich, Sie mit dieser Grußbotschaft begrüßen zu dürfen. Das ist nicht selbstverständlich, sondern es ist unverhofftem Glück zu verdanken, dass ich überhaupt in der Lage bin, meine Worte an Sie übermitteln zu können.
Als erstes möchte ich Ihnen, Herrn Dr. Schuster für Ihre herzlichen Genesungswünsche danken, auch der Jüdischen Gemeinde Würzburg für den mir vermittelten Beistand, sowie Herrn Oberbürgermeister Heilig für die sofort erfolgte Unterstützungserklärung. Ausgesprochenen Dank gilt auch Herrn Bischof Jung für die klaren Worte.
Den Genossinnen und Genossen der Würzburger DIG möchte ich für die schnelle und effiziente Reaktion und ihren persönlichen, mir sehr wichtigen Zuspruch und die ganz praktische Hilfe danken – auch das prompte und hilfreiche Eingreifen des Bundesvorstands. Bernd Sommer und Volker Beck: Danke auch für die Blumen!
Apropos Blumen: Danke auch an den ça-ira Verlag für die Unterstützungskampagne und auch den riesigen Strauß!
Besonders berührt hat mich die Vielzahl der häufig sehr persönlich gehaltenen Schreiben, etwa von Eugenia Kashi von Keren Hayesod und die gemalte Botschaft von Lavie aus Nahal Oz. Auch über die sozialen Medien haben mich zahllose, oft sehr einfühlsame Grüße und Genesungswünsche erreicht, tatsächlich mehr, als ich bisher lesen konnte. Ich werde versuchen allen zu antworten, das wird aber einige Zeit dauern.
Dank möchte ich auch den vielen Menschen aus Höchberg sagen, die mich über verschiedene Wege grüßen ließen, den Nachbarn und Passantinnen, von denen auch die Polizei verständigt worden war und die wohl auch, was ich während des Überfalls gar nicht so wahrgenommen habe, versucht hatten, den Täter durch Zurufe abzuhalten. Dafür meinen tief empfundenen Dank!
Ebenfalls vielen Dank an die Polizei. Ich denke an den verletzten Kollegen und wünsche schnelle Genesung! Ebenso danke ich den Rettungskräfte. Herzlichen Dank auch an das überaus hilfsbereite Personal der Uniklinik Würzburg!
Danke auch an Sie und euch alle, die Sie hier sind, die ihr da seid, um ein Zeichen gegen den antisemitischen und antizionistischen Hass zu setzen!
Der Hass gegen Israel, die nicht zu zügelnde Wut auf den jüdischen Staat und auch jüdisches Leben weltweit, diesen Hass habe ich seit langem und oft gesehen. Ich habe ihn vor dem siebten Oktober bereits gehört und seitdem auch zu spüren bekommen. Diesmal war es mehr, als die bloße Drohung mich „einmal zu erwischen“. Ich konnte mich diesmal nicht in einen Bus flüchten und auch nicht rechtzeitig die Polizei rufen, wie es mir noch im letzten Jahr gelungen war. Auslöser aller dieser Angriffe auf mich war stets das Symbol, das sowohl für den Staat Israel als auch für das jüdische Volk weltweit einsteht:
Der Stern, das Schild Davids, Schutzschild der Juden.
Es ist dieser Hass auf alles, was als jüdisch verstanden oder missverstanden werden kann und der mehr ist, als das Etikett Antisemitismus benennen kann. Denn dieser Hass zielt auf Mord, auf völlige Vernichtung. Was er will, ist der Tod des Juden. Es ist dieser nackte Hass, der aufhören muss!
Der Hass richtet sich gegen die Opfer von Verfolgung, Pogrom, Vernichtung und Angriffskrieg, denen diese Untaten selbst zur Last gelegt werden sollen und die daher dafür büßen sollen. Was den Antisemiten antreibt, ist das Bedürfnis nach Strafe; er verlangt Strafe für das bloße Überleben der Opfer seiner Verfolgung. Daher trachtet er nach dem Tod. Er will die Vernichtung um der Vernichtung willen.
Dieser Hass kommt aus allen Richtungen, ich habe ihn gehört von offenen Nazis, die „ab ins Gas“ skandierten, von islamistischen Hetzern, die „Chaibar, Chaibar“ riefen – nach dem im Koran geschilderten Judengemetzel. Ich habe ihn aus dem Munde scheinbar liberaler Diskussions“partner“ gehört. Diese warfen mir die Unterstützung des „Völkermords in Permanenz“ vor, womit sie Israel meinen. Ehemalige Genossinnen und Genossen aus der radikalen Linken und der Antifa haben mich dann gleich „Zionistenschwein“ genannt.
Der Hass kann auf die drei noblen Worte: „Tod den Juden“ zusammengefasst werden. Das ist keine arabische Spezialität, sondern eine universale Sprache:
Die überall verstandene und überall wiederholte Hass-Sprache der Gewalt.
Es ist die Drohung mit dem Tode – an jedem Ort und zu jeder Zeit.
Das ist das, wogegen wir uns richten. Es ist Zeit den Hass zu beenden, ihm entgegenzutreten und sich nicht klein und ohnmächtig machen zu lassen, verlacht von den Hassern, sondern es ist an der Zeit, weiter aufzustehen. Für das Leben.
Am Israel Chai"