Santiago. Chile. Unterwegs mit meiner Mutter.
Gestern Abend habe ich ihr dabei zugeguckt, wie sie ihre Sachen gepackt hat.
Ein paar Kleider, Schuhe, Unterwäsche, Medikamente.
Ein kleiner Koffer und zwei einfache Stofftaschen.
Das ist alles, was ihr geblieben ist.
In den frühen Morgenstunden hat ein Waldbrand die Region aus der sie kommt komplett verwüstet.
Ihr Dorf, Punta de Parra, das wir vor ein paar Tagen noch voller Optimismus verlassen haben, ist nur noch Schutt und Asche.
Und damit auch ihr Häuschen. Nur noch Schutt und Asche.
Hund, Katze, Pflaumenbaum: Verbrannt.
Ein kleiner Koffer und zwei einfache Stofftaschen. Das ist alles, was ihr noch geblieben ist.
Nach einem Leben voller Gewalt, Schmerz und Unterdrückung. Unterdrückung als Kind, als Frau, als Liebende. Ein Leben voller Krankheit und Verlusten. Immer wieder Verlusten.
Vielleicht kennt ihr unsere Geschichte.
Einer dieser Verluste, vielleicht ihr schmerzvollster, sitzt nun vor euch und bittet um Hilfe.
Hilfe, damit ich ihr helfen kann. Denn wir wissen nicht mehr weiter.
Auch drei meiner Schwestern haben alles, wirklich alles, verloren.
Ein kleines Köfferchen und zwei einfache Stofftaschen.
Nicht mal das haben sie mehr.