Ab Ende Februar 2020 begann sich die Coronavirus-Pandemie aus Asien kommend rasch in Europa zu verbreiten. Erst in Italien, dann bald auch in Deutschland und in anderen Staaten Europas schnellte die Zahl der Infizierten sowie die der an Covid-19 Erkrankten und Verstorbenen dramatisch in die Höhe.
Seither wird von den Regierenden, denen die Kontrolle über das Geschehen zu entgleiten droht, immer wieder die ANARCHIE beschworen, das Schreckgespenst des Zusammenbruchs der bestehenden staatlichen Ordnung, das seit der Französischen Revolution von den Herrschenden jeglicher Couleur immer wieder in Zeiten der politischen Krise bemüht wurde. Als Libertäre hätten wir ja gar nichts gegen die Anarchie, wenn damit – so wie wir sie verstehen – eine gesellschaftliche Ordnung ohne Herrschaft, also ein freiheitliches und solidarisches Gemeinwesen gemeint wäre. Aber das war es sicherlich nicht, an was die Expertengruppe des Innenministeriums mit ihrer Beschwörung der Anarchie gedacht hatte.
Zweifellos wird die Corona-Krise zu gravierenden wirtschaftlichen, politischen und sozialen Veränderungen auf der gesamten Welt führen, so wie sie die meisten von uns noch nicht erlebt haben. Und diese Krise stellt ebenso wie die parallel dazu stattfindende globale Klimakrise nicht nur die herrschende Politik und die bestehenden Wirtschaftssysteme auf den Prüfstand, sondern auch wir Libertäre werden mit unseren Ideen und Konzepten durch sie in Frage gestellt. Was können die Anarchist*innen dieser Welt zur Lösung dieser Krise und ihrer Folgen Konstruktives beitragen? Das ist die Frage, die sich uns Libertären heute stellt, und tatsächlich gibt es in der internationalen libertären Bewegung zurzeit eine rege Diskussion darüber, welche Antworten der zeitgenössische Anarchismus auf die durch die Corona-Krise hervorgerufenen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen geben kann.
Als libertäre Zeitschrift wollen wir uns an diesem Diskurs über anarchistische Antworten auf die Corona-Krise beteiligen. Wir werden deshalb Nr. 2 der halbjährlich erscheinenden „espero“ als ein Themenspecial herausbringen, das unter dem Titel „Die Corona-Krise und die Anarchie“ erscheinen wird. Für dieses Themenspecial sind wir an Beiträgen libertärer Autor*innen insbesondere zu den folgenden Fragen interessiert:
Wie erlebe ich als Anarchist*in bzw. als Libertäre/r ganz persönlich die Corona-Krise und die durch sie bewirkten gesellschaftlichen Veränderungen?
Welche libertären Alternativen gibt es zu den staatlichen Maßnahmen, die von den Regierungen zur Bekämpfung der Corona-Krise eingeführt wurden?
Welche Gefahren, aber auch welche Chancen sehe ich als Libertäre/r in den durch die Corona-Krise in Gang gesetzten sozialen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen?
Natürlich sind wir auch offen für Beiträge zu anderen Fragestellungen und Themen, solange sie sich dem Kernthema des Specials „Die Corona-Krise und die Anarchie“ zuordnen lassen. Dies können auch Beiträge sein, die sich in literarischer oder lyrischer Form mit dem Thema auseinandersetzen. Und um dem globalen Charakter der Corona-Krise gerecht zu werden, luden wir auch internationale libertäre Autor*innen zur Mitarbeit an unserem Themenspecial ein. Zusagen für Beträge bzw. sogar schon die Beiträge selbst haben wir bereits von Noam Chomsky, Roel van Duijn und P.M. erhalten.
Rolf Raasch für das Redaktionsteam
Other news 6
espero, Nr. 7 - die neue Sommerausgabe!
Jochen Schmück · 23.06.2023
Die neue Sommerausgabe der espero (Nr. 7, Juli 2023) lädt die Leser:innen zu einer virtuellen Reise durch die Kultur der gelebten bzw. angestrebten Anarchie ein. Der multimediale Beitrag von Jochen Schmück behandelt die Cumbia als anarchisches Kulturphänomen und zeigt, wie sie unterdrückten Gesellschaftsgruppen eine Stimme und Identität verleiht. Tomás Ibáñez fordert den Anarchismus zu einer selbstkritischen Überprüfung seiner theoretischen Grundannahmen auf, während ein Interview mit Amador Fernández-Savater über die subversiven Lehren des Pariser Mai 1968 diskutiert. Weitere Beiträge befassen sich mit einer spektakulären Aktion italienischer Antifaschisten, der Auseinandersetzung zwischen William Godwin und Thomas Malthus, Gustav Landauers sozial-ökologischer Botschaft und den Raum- und Zeitverständnissen in anarchistischer Politik. Die Besetzung des Ruhrgebiets im Jahr 1923 durch französische und belgische Truppen wird aus anarchosyndikalistischer Perspektive betrachtet, und die politische Theoretikerin Hannah Arendt wird für ihre Rehabilitierung des Rätesystems gelobt. Ein Bericht über neue kommunale Bewegungen in den USA und Buchrezensionen runden die Ausgabe ab. Die espero-Redaktion bedankt sich bei allen Beteiligten und bei den Spender:innen unseres Projektes für ihre Unterstützung. Danke und eine gute Lektüre!
More →
Nr. 6 - Die neue Winterausgabe 2022/23
Jochen Schmück · 11.01.2023
INHALT: Der Kommentar: John P. Clark: Anarchische Gerechtigkeit am Ende der Geschichte. Anarchie und das Gesetz der Natur // Beiträge zum Themenschwerpunkt: Anarchismus und Revolution: Siegbert Wolf: „. . . jede Zeit ist inmitten der Ewigkeit.“ – Gustav Landauers libertärer Blick auf Geschichte und Revolution / Rudolf Rocker: Revolutionsmythologie und revolutionäre Wirklichkeit / Tomás Ibañez: Abschied von der Revolution und ... Es lebe der große Kladderadatsch ...! / Uri Gordon: Revolution / Gabriel Kuhn: Revolution ist mehr als ein Wort: 23 Thesen zum Anarchismus / Johann Bauer: Die gewaltlose Revolution: Gewaltfrei, radikal-demokratisch, antiautoritär, sozialistisch // Beiträge zu verschiedenen Themen: John P. Clark: Was ist Öko-Anarchismus? / Marlies Wanka: Henry David Thoreau / Bernhard Rusch: Franz Jung und die Zeitschrift Gegner am Vorabend der „Machtergreifung“/ Rolf Raasch: Fluchtpunkt Mexiko: Das Exil des B. Traven / Ralf Burnicki: „Anarcho-Poetry“ – Kleine Auswahl mit Eingangswort // Rezensionen: Jochen Schmück: Ein hoffnungsvoller Blick zurück nach vorn – Die Geschichte der Menschheit aus libertärer Sicht / Markus Henning: „Auge in Auge mit dem Staat“: Anarchistische Justizkritik von Pierre Ramus / Rolf Raasch: „El Entusiasmo“ - Eine Filmkritik (2022)
More →
2.526 € of 2.500 € collected
100 %
Inge donated 200 €
Christian donated 50 €
Stefano donated 100 €
Rolf donated 25 €
Uwe donated 30 €
Karsten donated 100 €
Rolf donated 100 €
Hans-Hermann donated 50 €
Klaus-Dieter donated 30 €
Angelika donated 5 €
Campaign has ended