Nachtwache...

31.12.2024
Simon Geib Bad Liebenstein, Germany
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Das Jahr ist beinahe vorbei. Nur noch ein paar wenige Stunden. Wir sitzen hier im dunkeln Tierpark und hoffen auf eine „ruhige“ Nacht. Die alljährige Nachtwache zu Silvester hat begonnen. Vor 2 Tagen haben wir einen Aufruf gestartet auf Feuerwerk in der Nähe des Tierparks zu verzichten. Viele Tiere sind nach wie vor gestresst von dem Brand. Vor allem unsere Papageien, welche das Feuer von ihren Gehegen quasi aus der 1. Reihe beobachten konnten. Leider laden angrenzende Wiesen und der Elisabeth-Park gerade dazu ein, Raketen & Böller loszulassen. Ob der Aufruf etwas gebracht hat? Wir werden sehen… Bis dahin sitzen wir hier, beobachten, machen Kontrollgänge und lassen die diesjährigen Ereignisse noch einmal an uns vorbeiziehen. Das Jahr begann recht traurig. Unsere Katta-Mama „Maike“ starb Anfang des Jahres mit fast 20 Jahren an Altersschwäche. Sie ließ ihren Partner „Otto“ sowie ihre 3 erwachsenen Söhne „Falko“, „Coco“ und „Fips“ zurück. Durch den Verlust ihres Alpha-Weibchens war die Gruppendynamik deutlich gestört. Besonders unser Sensibelchen „Falko“ litt sehr unter ihrem Verlust. Er zog sich zurück, fraß sehr schlecht und verlor dadurch stark an Gewicht. Seine Pflegerinnen kümmerten sich mit sehr viel Liebe um ihn. Mehrmals täglich wurde sich die Zeit genommen ihn mit einem speziellen Brei zu füttern. Er bekam Fürsorge und Zuwendung von seiner Familie – doch letztendlich verloren wir den Kampf um ihn und Falko folgte seiner Mama nur wenige Wochen später. Etwa zur gleichen Zeit gab es aber auch Zuwachs in unserer tierischen Familie. In Berlin wurden 2 Grüne Leguane aus Privathaltung beschlagnahmt. Vom dortigen Tierheim zogen sie direkt in unser Südamerika Haus und fanden dort ihr neues Zuhause. Großes Glück hatten wir 2024 auch bei den Erdmännchen. Nach jahrelangem Warten, gab es endlich 2 Zoos, die uns aus ihrem Bestand je 1 Dame abgaben. Unsere 3-Männer-WG konnte dadurch endlich neu belebt werden. Besonders freut uns, dass die 3-beinige Erdmännchen Dame „Sweety“ sich als neue Königin durchgesetzt hat. Nur wenige Monate nach der Vergesellschaftung durften wir auch den ersten Nachwuchs begrüßen. Unser Erdmann „Freddy“ lernte den Nachwuchs leider nicht mehr kennen. Er verstarb altersbedingt, bevor seine Kinder auf die Welt kamen. Aus dem gleichen Grund verließ uns vor wenigen Tagen „Grace“ unsere Schneeeulen-Oma. Ganz neu hingegen durften wir im Frühjahr ein Paar Rothörnchen im Tierpark begrüßen. Unsere Fleckenuhus, Weißgesichtsseidenäffchen, Stinktiere, 1 Zwergseidenäffchen und 1 Quastenstachler bekamen in andere Zoos im Laufe des Jahres ein neues Zuhause. Dafür zog ein Pärchen Kaiserschnurrbarttamarine sowie Kukuckskäuze und ein neuer Zwerg ein. Die Sika-Hirsche beglückten uns derweil mit 2 zuckersüßen „Bambi’s“. Und die Graupapgeien bekamen ein neues Innengehege. Unsere Müller-Amazone „Frau Müller“ bekam mit Blaustirnamazone „Elvis“ endlich einen neuen Partner. Nachdem ihr Mann 2023 verstarb, wurden wir nach langer Suche auf einem Gnadenhof in Hessen schließlich fündig. Die beiden verstehen sich prima und es wurde auch schon versucht gemeinsam ein paar Eier auszubrüten… „Eier“ war 2024 generell ein sehr großes Thema. Angefangen mit unserer alljährlichen Ostereier Suche, die beinahe ins Wasser gefallen wäre. Die bestellten bunten Eier kamen nämlich nicht bei uns an. So schwärmten am 30.03.2024 um 8 Uhr morgens sämtliche Tierpark Mitarbeiter, Vereinsmitglieder, ehrenamtliche Helfer und alles, was sonst noch 2 Beine hat aus und kauften alles, was auch nur ansatzweise wie ein buntes Osterei aussah. So konnte das Fest doch noch gerettet werden – trotz einem Tag Dauerregen. Danach machten uns Eierdiebe das Leben schwer. Unsere Nandus „Paul“, „Paula“ & „Pauline“ machten uns große Hoffnungen, als sie mit Nestbau und Eiablage begannen. Komischerweise fanden wir besagte Eier jeden Morgen wild im gesamten Gehege verstreut. Wir sammelten sie ein – am nächsten Tag lagen sie wieder in jeder Ecke. Und es wurden weniger. Aufgestellte Wildkameras zeigten uns dann was los war: 2 freche Marder versuchten des nachts die 700g schweren Eier aus dem Gehege in ihren Bau zu rollen. Außerdem entdeckten wir einen wilden Waschbären. Nest und Gehege wurden daraufhin mit Hundehaaren präpariert in der Hoffnung, die nächtlichen Besucher (tierfreundlich) zu vertreiben. Irgendwann war dann auch Ruhe. Mit dem Nandu Nachwuchs wurde es jedoch nichts, weil unser „Paul“ nicht verstand, dass er auf den Eiern sitzen bleiben muss… Leider blieb es nicht bei tierischen Dieben. In der Nacht vom 27. Juni verschafften sich mehrere Personen gewaltsam Eintritt in den Tierpark. Sie brachen in mehrere Gebäude ein, stahlen Kuscheltiere und knackten Automaten sowie Spielgeräte auf, um an das darin befindliche Kleingeld zu kommen. Gott sei Dank wurde in kein Gehege eingebrochen. Trotzdem entstand ein erheblicher Sachschaden. Die kleinen Kindereisenbahnen, Kapsel- & Snackautomaten funktionieren trotz Reparatur seitdem auch nicht mehr richtig. Bedauerlicherweise konnten die Täter trotz Kameraaufnahmen von der Polizei nicht ausfindig gemacht werden. Ein weiterer Schicksalsschlag war die Vergiftung unseres Totenkopfäffchens „Steve“. Zu Pfingsten wurde er von Besuchern verbotenerweise gefüttert. Unseren Pflegerinnen fiel auf, dass sich beide Tiere vor Schmerzen zusammenkrümmten. Mit tierärztlicher Hilfe wurde versucht den beiden das Leben zu retten. Leider kam für „Steve“ jede Hilfe zu spät. Die Trauer war nicht nur im Team groß – „Steve“ war als kleine, verschmuste Nackenrolle bekannt – vor allem sein Bruder „Bob“ litt schwer unter dem Verlust. Er fraß schlecht, wollte den Pflegerinnen nicht mehr von der Seite weichen und verkroch sich. Währenddessen wurden im Hintergrund schwierige Entscheidungen getroffen. Äffchen können nicht allein gehalten werden. Unser Retter in der Not war der Tierpark Gettorf. Der Geburtszoo unserer beiden Totenköpfe überließ uns großzügigerweise 2 junge Männchen. „Bob“ blieb so der Stress erspart, nach dem Verlust seines Bruders auch noch in ein neues Zuhause umziehen zu müssen. Mit tatkräftiger Unterstützung unseres Sponsors „WerraEnergie“ traten wir in Windeseile die Reise in den hohen Norden an und so zogen „Fritzi“ & „Simon“ ganz unverhofft bei uns ein. Freud und Leid liegen bei der Arbeit mit Tieren „leider“ sehr oft nah beieinander. Ein Thema, welches uns besonders bei den Geburten im Tierpark begleitet. Nicht immer kommen alle Jungtiere durch – warum, weiß meist nur die Natur. Gerade bei unseren Maras immer wieder ein Wechselbad der Gefühle. Im Schnitt bringen diese 2 Jungtiere zur Welt. Von unseren 4 Zwillingsgeburten dieses Jahr, haben es leider nur 3 Jungtiere geschafft. Unsere Pinseläffchen hatten eine seltene Drillingsgeburt. Leider kam auch hier 1 Junges nicht durch. Die Lisztäffchen beglückten uns mit 2 Zwillingsgeburten. Auch hier überlebten leider nur 3 der 4 Babys. Bei den Indischen Muntjaks starben aus ungeklärten Gründen alle Jungtiere nach kurzer Zeit. Lange Zeit waren die Elterntiere dadurch verstört und riefen nach ihren verstorbenen Kindern. Nicht immer sind es ganz junge oder sehr alte Tiere, die versterben. Manchmal sind es auch Krankheiten, durch die wir unsere Tiere bis zum Tod begleiten müssen. Im Sommer verstarb „Sven“ unser letztes Frettchen. Ursprünglich kamen sie als Trio vor Jahren in den Tierpark, nachdem der Privathalter das Interesse verloren hatte. Frettchen sind leider „in Mode“. Daher gibt es viele Überzüchtungen und daraus folgen oft gesundheitliche Probleme. Alle unsere Frettchen litten an Krebs. Nach dem Tod seines letzten Kumpels, versuchten wir „Sven“ Anfang des Jahres noch einmal zu vergesellschaften. Leider war das andere Frettchen zu dominant. Während wir bei Frettchenhilfen auf der Suche nach neuer Gesellschaft für ihn waren, kam es zu einer deutlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes. Die Erfahrung hatte uns gelehrt, dass „Sven“ nun nicht mehr sehr viel Zeit bleiben würde. Wir entschieden uns gegen einen neuen Partner. Stattdessen wurden ihm seine letzten Tage im Tierpark so schön wie möglich gestaltet. Ausgiebige Kuscheleinheiten mit seinen Pflegerinnen standen ebenso auf dem Programm wie ganz besondere Leckereien. Bis zu dem Punkt, an dem es Zeit war Abschied zu nehmen… …und als ob das alles nicht schon genug für ein Jahr gewesen wäre, kam jetzt das Feuer. Seit dem Spätsommer schlagen wir uns mit einem massiven Personalmangel rum. Ein ruhiges Jahresende wurde von allen herbeigesehnt. Die Tierweihnacht sollte, als letztes Fest dieses Jahr, auch die letzte Kraftanstrengung werden. 4 Tage vor dem geplanten Termin standen wir wie gelähmt vor den rauchenden Trümmern unseres Versorgunggebäudes. Sprachlos, fassungslos, hoffnungslos und verzweifelt. Vor unserem geistigen Auge sahen wir unsere Tiere bereits verstreut in anderen Zoos untergebracht. Die leeren Gehege und damit ausbleibende Besucher hätten sicher das Ende unseres kleinen Tierparks bedeutet. Nie hätten wir mit solch einer Hilfsbereitschaft aus der Region und darüber hinaus gerechnet. Dafür möchten wir uns nochmal von Herzen bei Euch allen bedanken. Ihr helft uns nicht nur mit Sach- & Geldspenden, sondern gebt uns auch Kraft & Zuversicht! Das neue Jahr wird herausfordernd. Wir hoffen wir können weiter auf euch zählen! Bitte teilt unsere Geschichte. Gemeinsam können wir so viel mehr Menschen erreichen. Auch im neuen Jahr werden wir euch hier über alles auf dem Laufenden halten. Gerne könnt ihr uns auch direkt kontaktieren. Alle Infos dazu findet ihr auf der Hauptseite. Bis dahin wünschen wir euch einen tierisch guten Rutsch ins Jahr 2025! Solltet ihr eigene Tiere haben, hoffen wir es wird nicht zu sehr bei euch geknallt. Wir gehen jetzt mal wieder unsere Runden drehen. Tierische Grüße von einem nostalgischen Tierpark-Team
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