Der 8.6.2024 - ein Nachwort, ein Aufruf
Robert Kopetschke · 09.06.2024
Ihr Lieben, es ist gestern soviel passiert, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Zunächst war ich froh, endlich in Franziskas Namen die Spendenkampagne für das Familienhörbuch aufgesetzt zu haben. Ich wollte es unbedingt zu ihrem Geburtstag fertig haben, da verzichtet man gerne auf Schlaf. Der Lohn war, das dank eurer Hilfe schon nach wenigen Stunden das Spendenziel von 6000 Euro erreicht war - etwas, was ich vorher so nicht erwartet hatte und was mich schon den ganzen Tag über sehr beschäftigt hat. Dazu später mehr. Es war zunächst noch jede Menge für Franzis Geburtstagsfeier vorzubereiten, vor allem die Fotos für die Gestaltung des Sargs mussten noch gesichtet und ausgedruckt werden - etwas, was man ja besonders gut in knapp 1,5 Stunden schaffen kann. 😅 Aber mit Hilfe meiner großen Tochter Lore habe ich es noch hinbekommen. Albert stellte in der Zwischenzeit die Playlist zusammen, Stephi, Katrin, Melina und Franzis Eltern kümmerten sich um alle anderen Vorbereitungen, sodass wir mehr als pünktlich in Rixdorf, Franzis aktuellem Aufenthaltsort, ankamen. Natürlich ist es schwer, dem geliebten Menschen nach einer Woche „totsein“ wieder gegenüber zu treten. Zunächst ist da die Ungewissheit, wie Franzi wohl aussehen wird. Und wie die Kinder das aufnehmen werden. Ob eines in Tränen ausbricht oder sich vielleicht gar nicht traut, an den Sarg zu treten. Am Ende waren die Sorgen unbegründet. Franzi war von den Damen vom Junimond in ihren Lieblingssachen gekleidet worden (die weinrote Clownshose iykyk), Mama wurde begrüßt, gestreichelt, inspiziert, und fortan ausgiebig dekoriert. Mit Rosen, Rosenblättern, Gedichten, Zeichnungen, Fotos, kleinen Geschenken, Armbändern, Ketten. Am Ende war es ein wenig wie eine explodierte Pinata, es fiel schwer, die Ästhetik zu waren. Gerade Elise war schwer beschäftigt, Franzis Gesicht mit selbst gesammelten Blüten aus Halle zu dekorieren. Den Erwachsenen fiel es augenscheinlich nicht so leicht wie den Kindern. Man sieht, dass der Umgang mit dem Tod sehr viel schwerer fällt, je näher man ihm selbst kommt und wahrscheinlich auch immer ernster gelebt wurde, als es vielleicht hätte sein müssen (während die Kinder unbedingt in einem zweiten Sarg Probeliegen wollten, selbst mit geschlossenem Deckel, kann dieses Spielerische und Leichte die ältere Generation kaum ertragen). Hier ein gutes Miteinander für alle zu finden, ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe. Andersherum hatten alle außer uns Franziska so bisher nicht gesehen. Es flossen einige Tränen. Traurigschön trifft es gut. Zusammen weinen, es hat auch immer etwas Befreiendes. Als schließlich alle eingetroffen waren, sangen wir für Franzi ein wirklich gut klingendes „Weil heute dein Geburtstag ist“ und machten uns mit Kaffee und Kuchen an die Dekoration ihres Sarges. Die Innenseite des Deckels wurde mit Fotos von Familie und Freunden ausgekleidet. So kann sie uns immer sehen und alle sind bei ihr. Dann wurde die Außenseite nach Herzenslust bemalt. Es war ein ungezwungenes Beieinandersein, ein an Franzi Denken, ein etwas für sie gestalten. Am Ende haben wir uns nocheinmal alle im Andachtsraum versammelt und Franziskas Papa hat in Begleitung von Julia und Rebecca ein Abschiedslied angestimmt - „Guten Abend, gut Nacht“. Zusammen mit den Kindern habe ich dann den Sarg geschlossen. Schön war der Ruhemoment danach, als der ganze Raum in Stille an Franziska und ihre Abschiedsreise gedacht hat. Sie wird uns allen sehr fehlen, aber wir sind froher Hoffnung, dass es ihr dort, wo sie über uns wachen wird, gut gehen mag. ——— Zusammen mit den Kindern haben wir dann entschieden, dass die Kremation in Hennigsdorf, wo Franziska am Montag überführt wird, nicht wie es möglich wäre schon am Dienstag stattfindet, sondern wir diese erst am 17.6. begleiten möchten. Es war ihnen schlichtweg zu zeitig, dass ungute Wissen, den letzten Blick auf die Mama schon in 3 Tagen haben zu müssen. ——— Am 7.7. wird in Absprache mit der Laurentius Gemeinde in der St. Laurentius Kirche (Kirchstrasse 4, 12555 Berlin) um 15 Uhr der Erinnerungsgottesdienst für Franziska abgehalten. Sie hat sich diesen ausdrücklich gewünscht. Nicht Trauergottesdienst hat sie es genannt, sondern Erinnerungsgottesdienst. Nicht schwarz und dunkel, sondern hell und fröhlich. Ich musste nicht fragen, um zu wissen, dass alle in der Kleidung kommen mögen, in der sie sich wohl fühlen, in der sie Franzi vielleicht auch sonst immer begegnet sind oder die sie mit ihr verbinden. Als ich vor Monaten fragte, wie und was ich im Falle ihres Todes dann alles für sie organisieren soll, sagte sie, sie möchte einen Erinnerungsgottesdienst, wo jede und jeder der sie kannte, egal wie nah oder fern er ihr stand, die Möglichkeit haben soll, sich von ihr zu verabschieden. Im ersten Augenblick klang das für mich zu groß, zu pathetisch, aber dann habe ich ihre Sicht gesehen und verstanden: der späteren Seebestattung in der Ostsee, der werden nur wir beiwohnen (können). Kein anderer Rahmen als der von ihr gedachte kann aber allen Menschen mit ausdrücklich auch allen Kindern gerecht werden, die ihrer Trauer Ausdruck verleihen möchten - oder eben einfach nur tschüss sagen möchten. Das Denken an andere, es war das bestimmende Moment in ihrem Leben. Die Lebensfreude, die mir momentan etwas fehlt, die Fröhlichkeit, die Offenherzigkeit. Ich möchte dies gerne fortführen und auch unseren Kindern weiter vorleben. Immer eine offene Tür, ein offenes Ohr, ein offenes und kein verschlossenes Herz. Lars, der Inhaber der Duke Bar im Areal der Freiheit 15, hat mir den Wunsch erfüllt, nach dem Gottesdienst mit allen die möchten noch etwas zusammen zu trinken, zusammen zu reden, zusammen zu sein. Auch hier sind ganz herzlich alle eingeladen, die noch ein bisschen verweilen möchten. Bitte gebt mir kurz Bescheid, wer sich auch darauf freut, damit ich etwas realistischer planen kann. Für mich schließt sich am Ort unserer Hochzeit am 19.9.2015 auch hierdurch ein weiterer Kreis. ——— Zuletzt - die Anteilnahme und auch die Spendenkampagne, sie macht mich sprachlos, ehrlich gesagt überfordert sie mich auch. Ich möchte so gerne jeder Karte antworten, jede Nachricht honorieren, jedem Spender persönlich danken. Es ist in dieser Fülle nicht zu schaffen. Ich habe es glaube ich schon akzeptiert, aber es lässt mich nicht los. Die letzten Nächte waren dementsprechend kurz. Daher möchte ich wirklich ALLEN, auch allen Unbekannten, von ganzem Herzen, auch im Namen von Franziska, auch im Namen unserer vier Kinder, Danke sagen. Danke für den Zuspruch, danke für das Auffangen, danke fürs Kümmern, danke für die finanzielle Unterstützung. Franziska war niemals ein Mensch, der aufs Geld geachtet hat (ja, durchaus auch zu meinem Leidwesen). Sie war immer bereit, mehr zu geben als zu nehmen. Erwartungshaltung war ihr fremd. Ein Abrechnen auf den Cent hätte sie nicht gut geheißen. Könnte ich sie fragen, sie würde die Spende für das Familienhörbuch nun deutlich höher ansetzen, als zunächst ausgelobt. Ich weiß, dass viele Menschen auch explizit für unsere Kinder spenden und auch möchten, dass ihr Wunsch an Hilfe ebenso geachtet wird. Das macht es mir in der Summe schwer und dennoch folge ich da meinem Herzen, weil ich weiß, wie meine Frau entschieden und was sie von mir erwartet hätte. Am Ende ist es uns allen ein Bedürfnis, auch anderen zu helfen. Wer viel hat, kann auch viel geben. Nach dem 7.7. werde ich entscheiden, welchen Teil der Spendenkampagne ich dem Familienhörbuch übergeben werde. Ich halte euch darüber auf dem Laufenden. Eine letzte Bitte - bitte teilt meinen Text. Ich habe nicht alle Kontakte. Franziskas Schicksal, unser Leben, es ist inzwischen soweit gestreut, dass mir inzwischen mehr Namen unbekannt sind als andersherum. Ich möchte aber gerne, dass meine Gedanken und Worte für alle sichtbar werden. Liebe geht raus 🤍 Robert
More →