1 Jahr - 365 Tage - endloses Vermissen

31.05.2025
Robert Kopetschke Berlin, Germany
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Text vom 29.5.2025:

Ihr Lieben,

ich habe schon lange nichts mehr geschrieben. Viele Anfragen der Sorte „wie geht es euch?“ blieben unbeantwortet. Auch die Übergabe unserer 12.000 Euro Spende an das Familienhörbuch im letzten Herbst habe ich nicht kommuniziert. Warum? Tja, warum…

Es war mir vorher nicht so klar, aber der Alltag ist ein unbeirrbarer, ständig vorantreibender Begleiter, der keine Trauer kennt, keine Wut, keine Freude. Der kaum Pausen lässt. In dem Innehalten und Erinnern per se keinen Platz finden. Er besteht aus Aufgaben, aus Terminen, aus Pflichten. Dinge müssen erledigt werden und in einem Haushalt mit vier Kindern gibt es davon wahrlich zuhauf. Das klingt vielleicht auf den ersten Blick trostlos, aber so ergibt sich auch etwas: Struktur – und damit auch Halt.

Heute, vor genau einem Jahr, hat Franzi uns verlassen müssen. Himmelfahrt - der Tag könnte keinen passenderen Namen tragen. Um 21:45 Uhr werden es dann genau 365 Tage sein. Ein ganzes erstes Jahr, das wir ohne sie verbringen mussten. Ein Jahr, in dem wir vieles – eigentlich alles – zum ersten Mal ohne Franzi, ohne Mama, erlebt haben. Alle Geburtstage, Weihnachten, Ostern, alle Feierlichkeiten, ein ganzes Schuljahr, alle Ferien, alle Urlaube, alle Wochenenden, jede einzelne Woche, jeder einzelne Morgen, jedes Aufstehen und jedes Zubettgehen – einfach alles.

Wir haben dieses Jahr gemeistert und wir haben bei allem Funktionieren auch das Erinnern nicht vergessen. Wir haben versucht, uns die Pausen zu nehmen, die uns der Alltag kaum ließ. Auch wenn es nicht viele Lücken gab in einem Kalender, der voller war als das Auftragsbuch vom Weihnachtsmann. Wir haben vor allem die Orte besucht, die uns mit Franzi verbinden. 

An ihrer geliebten Ostsee haben wir Zeit verbracht. Wir waren in Trassenheide, natürlich in Prerow, auf Rügen und in Misdroy an der polnischen Ostseeküste, wohin Franzi mit ihren Besties noch am letzten Himmelfahrt-Wochenende vor einem Jahr gereist war. Wir waren im Herbst an der Elbquelle im Riesengebirge und haben in Gedenken an Franzi sogar die nicht enden wollende Rückwanderung entlang der polnisch-tschechischen Grenze, am Ende im Dunkeln, wiederholt. Brixen zu Ostern, wo wir auch vor drei Jahren waren, mit dem Pistazieneis, das Franzi damals so gut schmeckte. Wir haben Fotos an den Orten gemacht, an denen wir auch zu sechst waren, mit denselben Motiven – nur eben größer, älter und mit einer geliebten Person weniger an unserer Seite.

Gestern sind wir nach Esbjerg an die dänische Nordseeküste gereist. Lore nimmt mit ihrem Verein zum dritten Mal am internationalen Schwimmwettkampf teil und wir wollten die Zeit heute gerne noch zusammen statt getrennt im Bus verbringen. Franzi haben wir bei uns. Auf Fotos und in unseren Herzen. Eine Kerze ist angezündet und ich bin sicher, sie sieht uns zu und lächelt.

Habt alle eine gute Zeit mit euren Familien und passt auf euch auf.

Robi

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