Beekatal - November 21

15.11.2021
Uschi Overhage Luckau (Wendland), Germany
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Ich bin nun seit einer Woche im Beekatal, wohne bei einer sehr netten palästinensischen Familie, die jedoch kein Wort Englisch spricht....also ist Verständigung mit Gestik und Mimik gefragt....... Das ist eine der Familien, denen es früher relativ gut ging. Sie lebt schon in der 3. Generation im Libanon, immer noch staaten - und rechtlos, aber ist bislang gut zurechtgekommen. Bis die ökonomische Krise anfing, den Libanon zu schütteln, konnte er auf dem Bau arbeiten und dort mit Überstunden relativ gut verdienen, entsprechend war der Lebensstandard recht hoch. Nun arbeitet er bei der Metallgewinnung beim Abfall und verdient 60 Dollar im Monat. Ich habe letzten Mittwoch den Lebensmitteleinkauf für uns 6 Personen übernommen und war über die Preise schockiert. Zugegeben , ich habe ein paar "feine Sachen" gekauft wie Erdnusscreme und Instant-Kakaopulver sowie Waschpulver, Zahncreme usw sowie etliches an Obst und Gemüse, aber der Einkauf hat 35 Dollar gekostet......Damit wurde mir klar, dass es einfach unmöglich ist, mit dem jetzigen Einkommen auszukommen bei den extremen Preiserhöhungen seit letztem Jahr. Die Lebensmittelkosten sind teils um 400 % gestiegen, die Transportkosten mit dem kleinen Bus zum Beispiel von 1000 lp auf 10.000lp gestiegen, also um das 10-fache. Fleisch gibt es gar nicht mehr zu kaufen. Man erlebt also bei Familien wie dieser, dass in den Wohnungen eigentlich alles vorhanden ist, aber das macht nicht satt. Im letzten Jahr haben viele Familien noch etwas an Möbeln oder kÜchengeräten verkaufen können, um vom dem Geld zu leben, aber nun ist das nicht mehr möglich, denn niemand hat mehr das Geld, um ein Möbelstück oder Elektrogerät zu kaufen. So gibt es denn 2 Mahlzeiten am Tag mit jeweils Reis und Linsen und ich stelle fest, dass Reis mit Grünzeug und etwas Tomate und Gurke lecker ist. Kartoffeln in allen Varianten............ Das Brillenprojekt zu planen stellt sich als schwieriger raus als erwartet, denn es gibt kaum Autos zu mieten und Bezin ist, wenn überhaupt erhältlich, für hiesige Verhältnisse unerschwinglich (Ldie Preise für Mietautos auch für meine Verhältnisse: 25 Dollar pro Tag). Wir sind dabei, nun die Route zu planen, wo wir die Sehtests anbieten werden und die Brillen"produktion". In der Zwischenzeit besuche ich Familien, die von "Haddak" betreut werden. Das immer gleiche Schreckgespenst ist der kommende Winter! Heizstoff wird unerschwinglich sein. Es gibt in vielen Haushalten kleine Öfchen, die mit Benzin gespeist werden, aber wenn man so ein Öfchen den ganzen Tag betreiben will, kostet das pro Tag etwa 1 Dollar. Viele Kinder müssen deshalb auch zusehen, dass sie zum Einkommen und zur Ernährungslage beitragen, zum Beispiel indem sie auf abgeernteten Feldern nachsammeln oder sonstwie aushelfen : auf dem Markt oder in Lä den. Aber die Jobs sind rar......und selbst die Männer finden oft nicht jeden Tag was zu tun. Allgemein ist die Stimmung, so wie ich es hörte, so , dass keiner die Hoffnung hat, dass Proteste was bringen. Die korrupte Regierungsclique sitzt fest im Sattel, die Hilbollah ist gut finanziert durch Gelder vom Iran ( das macht die Hisbollah natürlich für die arbeitslosen Schiiten interessant), Die schiitische Hisbollah ist auf der Seite des syrischen Regimes und lehnt die syrischen Flüchtlinge als "Abtrünnige" ab, die iranischen Hilfsgüter kommen ebenfalls nicht den syrischen Geflüchteten zugute und die arabischen "Bruderstaaten" halten sich raus. Internationale Hilfsorganisationen gibt es nicht viele. Die Armut hier ist nicht so offensichtlich wie meinethalben im Jemen oder auf Madagaskar, wo ebenfalls Hungersnöte herrschen. Aber es wird bedrohlich und irgendwann rutscht der Libanon in eine Katastrophe.
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