Wir sind noch da-wir haben es geschafft-Danke

Alte Mühle Bruck Bruck, Germany
04.10.2020
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Allmählich, ganz allmählich ist an kleinen Stellen meines Schreibtisches das Holz der Arbeitsplatte wieder zu sehen. Briefe geöffnet, manche sogar beantwortet. Rechnung auf Häufen gestapelt, auch die meisten schon bezahlt. Ämtern geschrieben und teilweise den durch Versäumnis entstandenen Schaden repariert. Behörden geantwortet und Beamte aus ihrer Verwirrung begleitet. Die Worte kommen wieder zurück und sogar der Blödsinn. Der Nebel hat noch ein paar Schleier zurückgelassen, aber wenn ich aufwache kann ich sagen: Guten Morgen du schöner Tag. Oft glaube ich mir das sogar. Diese letzte Krise hat uns fast in die Knie gezwungen. Ich glaube, wir waren einfach zu erschöpft, um ganz in die Knie zu gehen. Waren zu müde, um liegen zu bleiben. Die Blase, die uns umgeben hat, hat den Lärm gedämpft, die Schläge abgefangen, den Aufprall verhindert. Vieles ist in dieser Blase geblieben. Ist nicht mit uns zurück in die Welt. Das Gedächtnis hat nicht alles mit eingepackt, bei seiner Reise in die Realität. Aber ich kann mich gut erinnern an das Netz, das uns aufgefangen hat. Die Tiere, den Hof, meine Familie, mich. Viele Hundert Fäden, dünn und stark, die dieses Netzt bilden. Viele Hundert Menschen, die diese Fäden geknüpft haben. Um uns aufzufangen, als niemand mehr kommen durfte. Ein Netz aus Anrufen, Emails, Briefen, WhatsApp -Nachrichten. Mutmachworten. Trostgedanken. Guten Erinnerungen. Ein Netz aus Paypal und Direkt- Überweisungen, Karottensäcken vor dem Stall und Schokoladetafeln vor meiner Tür. Unsichtbar durch den Lockdown geflogen, bei Nacht und Nebel. Ich glaube fast, das waren die bedeutendsten und nachhaltigsten Empfindungen in dieser Stillstandzeit. Als plötzlich jemand die Zeit ausgeschaltet hat. Und das Tempo. Und den Lärm. Und das Miteinander. Als der Atem flach wurde, die Stimme leise und die Augen nach innen geschaut haben. Dieses Füreinander. Diese Wertschätzung und Dankbarkeit. Aber es hat uns auch verboten aufzugeben. Hat uns gezwungen weiter zugehen. Aber es war so anstrengend. Hat uns so müde gemacht. Und zugleich hat dieses Netz auch Energie abgegeben. Es ist nicht nur ein Tragenetz, sondern auch ein Energienetz. Und ein Netz, das einen umhüllt, fürsorglich und weich. Ein Netz, das einen warm hält, wenn die Kälte der Angst einen wieder in die Glieder schleichen möchte. Auch ein Sprungnetz ist es, das die eigene Bewegung so dynamisch unterstützt, vervielfacht, so dass wieder Neues möglich ist. Und es ist ein Netz, das uns alle umhüllt. So groß, dass jeder reinpasst. Wir niemanden zurück lassen müssen. Denn es ist nicht aus den Fäden des Wohlstandes und der Sicherheit gemacht, sondern aus der eigenen Sorge und Unsicherheit. In einer Zeit, als das Ich zum Wir wurde. Es ist ein Netz, das verpflichtet. Verpflichtet zum Wir. Zum Miteinander. Zum Füreinander. Ich hoffe sehr, dass die Fäden dieses Netzes nicht verblassen, dass das Wir nicht durchsichtig wird oder vom Nebel des Alltages verschluckt wird. Ich hoffe, dass die große Dankbarkeit für die Unterstützung und das Auffangen in dieser Krise uns alle in unserem Tun noch lange begleiten wird. Noch lange Energie gibt und den Fokus auf ein WIR setzt. Ich bin mir bewusst, dass die Unterstützung und Hilfe so vieler Menschen uns durch diese Krise getragen hat. Dass in dieser Zeit auf der ganzen Welt viele gute Seiten der Menschen Ausdruck und Platz gefunden haben Ich hoffe, dass dieses Wissen unsere Herzen weich sein lässt. Wir haben es geschafft. Wieder geschafft. Wir sind noch hier. Mit all unseren Tieren und Menschen. Mit den Kindern und Eltern. Mehr denn je. Ich hoffe, dass ich nicht vergesse, dafür dankbar zu sein.

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