Zwischenstatus

Judith Heilmann Erfurt, Germany
29.01.2020
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Empathie, Zusammenhalt und unglaubliche Hilfsbereitschaft – diese durften nicht nur wir selbst erfahren, alle beteiligten Menschen aus ganz Erfurt und weit darüber hinaus haben es selbst gespürt und jeder hat all das aus ganzem Herzen gegeben und getan, was er gut konnte. Jeden Tag sind wir erneut sprachlos. Wir wurden dazu angehalten, einfach den aus innerem Antrieb entstandenen Initiativen zu vertrauen, doch gehen sie unfassbar weit über eine reine Spendenaktion hinaus, dies spürt jeder, der involviert ist. Im Gegenzug sind auch wir dankbar für das uns entgegengebrachte Vertrauen: Jeder, der uns so selbstlos ein Stück begleitet, kennt das Ziel, nämlich Friedrich möglichst lang ein qualitativ gutes Leben zu ermöglichen. Die Wege dorthin sind noch immer vielfältig und auch irreführend. Der finanzielle Freiraum jedoch erweitert nun enorm unsere Handlungsmöglichkeiten. Ich habe mir nicht zu träumen gewagt, dass in so einem kurzen Zeitraum so viel passieren und entstehen kann, so dass wir nicht stets über ein Für und Wider nachdenken müssen. Wir können Friedrich mittlerweile auch teure Nahrungsergänzungsmittel geben, zum Beispiel Ellagsäure, die die Angiogenese neuer Tumorzellen hemmt und das Absterben der vorhandenen fördert, sowie CBD-Öl, dessen krebstherapeutische Wirkung mittlerweile inzwischen weit bekannt ist. Von der Wirkweise überzeugt nehmen wir es auch mit einer Ernährungsumstellung auf, die tief in den Geldbeutel greift. Die besten Chancen haben wir wohl durch eine Kombination von Behandlungen und Medikamenten. ONC201 ist dabei der wichtigste Baustein.  Wir haben zwischenzeitlich auch müde verschnauft, aber nicht aufgehört zu kämpfen. Alle weiteren Recherchen seither zeigten immer wieder, dass das Medikament ONC201 das erfolgversprechendste Mittel für einen Großteil der erkrankten Kinder ist (85:15). Wir haben einen frei praktizierenden Arzt in Deutschland gefunden, der den Grundstoff des Medikaments bei einer Firma in North Carolina bestellt, hier in Deutschland in einer zertifizierten Apotheke verarbeiten lässt und zu eigenen Forschungszwecken weiterverkaufen darf. Er forscht seit 1984 in Kooperation mit Krebszentren überall auf der Welt nach innovativen Behandlungsmöglichkeiten. Das DIPG-Zentrum in Zürich hat uns diese Tatsache bestätigt. So haben wir in der vergangenen Woche das erste Mal im hohen vierstelligen Bereich in einer Apotheke bezahlt – dank der zahlreichen Spenden war das möglich und Friedrich hat seine erste Dosen von ONC bekommen. Auch in den kommenden (hoffentlich Jahren) werden wir wohl auf das Medikament (oder folgende, bessere, ONC206 ist in der präklinischen Phase) wahrscheinlich angewiesen sein, um das Wachstum der Tumorzellen in Schach zu halten. Durch eine Liquid Biopsie, ein neues Analyseverfahren, könnte eventuell die genaue Mutation der im Blut zirkulierenden DNA der Tumorzellen bestimmt werden. Wir wissen gerade noch nicht, ob dieses Verfahren genug ausgereift ist und uns sichere Ergebnisse bringen kann um weitere Medikamente gegen diesen Tumor einzusetzen. Friedrich hat nun die Halbzeit der Bestrahlungseinheiten erreicht. Bis auf bleierne Müdigkeit, Erschöpfung und leichte Gleichgewichtsstörung sind bislang keine weiteren Symptome hinzugekommen und wir warten hoffungsvoll, dennoch mit seltsam zerrütteten Gefühlen, auf das MRT nach Bestrahlungsende.

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